ACE-Hemmer wie Fortekor®, Vasotop®, Enacard®, Prilium® oder Nelio® werden von Tierärzten häufig bei Herzerkrankungen eingesetzt. Sie werden in der Regel gut vertragen, haben kaum Nebenwirkungen, und sowohl beim Menschen als auch beim Hund konnten positive Effekte bei Herzpatienten gezeigt werden. Deshalb wird auch bei der Katze ein ähnlicher Nutzen vermutet. Kürzlich wurde nun eine große Studie zu ACE-Hemmern bei Katzen veröffentlicht – die Ergebnisse sind höchst interessant.


Studie zu ACE-Hemmern bei Katzen mit Herzerkrankungen

Die Studie war prospektiv, randomisiert, geblindet und placebokontrolliert – damit entspricht sie dem höchsten wissenschaftlichen Standard. Insgesamt wurden 151 Katzen mit erworbenen Herzerkrankungen eingeschlossen. Etwa 60 % der Katzen waren bereits symptomatisch (mit Wasser in der Lunge oder im Brustkorb), die übrigen Tiere befanden sich im asymptomatischen Stadium. Tiere mit Bluthochdruck, Schilddrüsenüberfunktion oder ähnlichen Erkrankungen wurden ausgeschlossen.

Die Katzen erhielten randomisiert entweder Placebo oder Benazepril, zusätzlich zu Entwässerung, Thromboseprophylaxe und Antiarrhythmika, falls diese Medikamente nötig waren. Untersucht wurde, ob die Zeit bis zum Therapieversagen (Tod, Euthanasie oder Studienabbruch aufgrund deutlicher Verschlechterung des Zustandes) durch Benazepril verlängert werden konnte. Außerdem wurden Lebensqualität, Symptome und Größe der Herzkammern beurteilt.

ACE-Hemmer bei Katzen

Ergebnisse der Studie

Benazepril wurde gut vertragen, zeigte jedoch keinen positiven Effekt auf die Zeit bis zum Therapieversagen, die Lebensqualität oder die Größe der Herzkammern. Es konnte kein signifikanter Unterschied zur Placebo-Gruppe festgestellt werden.

Die Studie weist einige Schwächen auf. Bemerkenswert ist zudem, dass sie bereits 2002–2006 durchgeführt, jedoch erst jetzt veröffentlicht wurde. Ob die Tatsache, dass eine Pharmafirma, die ACE-Hemmer vertreibt, die Studie gesponsert hat, eine Rolle spielt, bleibt spekulativ. Um endgültige Aussagen über die Wirksamkeit von ACE-Hemmern bei Katzen treffen zu können, sind weitere Studien in einzelnen Subgruppen – beispielsweise bei HCM mit Herzversagen – notwendig. Trotzdem liefert diese Studie wichtige Informationen, die zukünftige Therapieentscheidungen beeinflussen sollten.

Mehr Informationen über ACE-Hemmer im Allgemeinen gibt es hier.


Derzeitige Therapieempfehlungen

Aktuell gibt es nur wenige wissenschaftlich fundierte Therapieempfehlungen für Katzen mit Herzerkrankungen.

  • Asymptomatisches Stadium: Die meisten Kardiologen erachten vor allem Thromboseprophylaxe als sinnvoll.

  • Klinisches Stadium: Standardtherapie umfasst Entwässerung, Thromboseprophylaxe und bei vielen Tierärzten auch ACE-Hemmer. Häufig wurden ACE-Hemmer jedoch bereits im asymptomatischen Stadium verabreicht, insbesondere von Nicht-Kardiologen.



Fazit

  • ACE-Hemmer werden bei Katzen sehr gut vertragen.

  • Im asymptomatischen Stadium konnten keine positiven Effekte nachgewiesen werden.

  • Im symptomatischen Stadium konnten ebenfalls keine positiven Effekte festgestellt werden.

 

Link zur Studie: Evaluation of benazepril in cats with heart disease in a prospective, randomized, blinded, placebo-controlled clinical trial.