Wirkstoffe: Benazepril, Enalapril, Ramipril, Imidapril
Markennamen: Fortekor, Nelio, Enacard, Benakor, Pirilium (flüssig), Cardalis (+ Spironolakton)

Was machen ACE-Hemmer?

ACE-Hemmer beeinflussen den Kreislauf indem sie ein Enzym (Angiotensin-Converting-Enzyme) blockieren. Dadurch greifen sie in das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System (RAAS) ein. Dieses System reguliert den Blutdruck und den Flüssigkeitsvolumen in den Gefäßen. Das RAAS wird aktiviert, wenn der Blutdruck abfällt oder das Blutvolumen abnimmt. Dies geschieht z.B. durch Dehydratation oder bei akutem Blutverlust.

ACE-Hemmer Hund und Katze schmusen

Wann werden ACE-Hemmer verschrieben?

Es gibt zwei Hauptindikationen für ACE-Hemmer:

  1. Nierenerkrankungen
    ACE-Hemmer reduzieren den Eiweißverlust über die Nieren bei Niereninsuffizienz und werden eingesetzt, wenn viel Protein über den Urin verloren wird. Ob sie auch das Fortschreiten der Erkrankungen verlangsamen können wird kontrovers diskutiert. Es gibt Studien, welche darauf hinweisen und welche, die keinen lebensverlängernden Effekt nachweisen konnten. Dabei können ACE-Hemmer aber auch die Nieren schädigen wenn sie in akuten Phasen eingesetzt werden.
  2. Herzerkrankungen
    Wenn das Herz nicht mehr genügend Blut in den Körperkreislauf pumpen kann, kommt es zu einem Blutdruckabfall. Dieser Abfall führt zur Aktivierung des RAAS-Systems, welches das Blutvolumen erhöht und die Gefäße engstellt. Dadurch wird der Blutdruck wieder erhöht. Diese Maßnahmen erschweren jedoch dem Herzen die Arbeit, da es gegen einen höheren Druck anpumpen muss. Ein Teufelskreis also. Um dem Herzen das Pumpen zu vereinfachen, werden ACE-Hemmer eingesetzt und somit die Aktivierung des RAAS zu einem gewissen Grad blockiert. Sie lindern Symptome, verbessern das Allgemeinbefinden und steigern somit die Lebensqualität. Einen wirklich nachgewiesenen positiven Effekt haben sie aber erst ab einem bestimmten Stadium von Herzerkrankungen, vor allem dann, wenn bereits Symptome vorhanden sind. Auch hier gilt, im aktuen Herzversagen sollten sie nicht eingesetzt werden.

Werden ACE-Hemmer oft unnötig verschrieben?

ACE-Hemmer werden sehr gut vertragen und haben kaum Nebenwirkungen. Die beim Menschen häufigste Nebenwirkung von Husten wird beim Tier nicht beobachtet. Deswegen werden sie gerne schon bei den ersten Anzeichen von Erkrankung eingesetzt. ABER:

Bei Nierenerkrankungen ohne Proteinverlust bringt der Einsatz von ACE-Hemmer keinen bisher nachgewiesenen Vorteil. Erhöhte Nierenwerte alleine sind daher keine Indikation für ACE-Hemmer.
ACE-Hemmer haben erst ab einem bestimmten Grad einer Herzerkrankung einen Effekt auf das Fortschreiten der Erkrankung. Wird z.B. ein Herzgeräusch festgestellt, ist dies noch keine Indikation für den Einsatz von Medikamenten. Erst ab einem bestimmten Stadium macht es Sinn. Um zu wissen wie weit fortgeschritten eine Herzerkrankung ist, braucht man weitere Diagnostik (i.d.R. Herzultraschall).

ACE-Hemmer Blutdruckmessgerät

Der Mythos vom Blutdrucksenker

ACE-Hemmer werden immer wieder als Blutdrucksenker bezeichnet. Tatsache ist aber, sie haben bei Hund und Katze kaum blutdrucksenkende Wirkung. Dieser Mythos kommt daher, dass die blutdrucksenkende Wirkung beim Menschen deutlich höher ist und sie dort als Blutdrucksenker eingesetzt werden. Beim Tier ist Amlodipin das Mittel der Wahl zur Blutdrucksenkung und ACE-Hemmer sollten höchstens als Zusatz gegeben werden, wenn Amlodipin in voller Dosis nicht ausreicht. (Mehr zu Bluthochdruck bei Katzen findet ihr hier.) Es gibt jedoch Studien zu Telmisartan (Semintra), einem neueren selektiven ACE-Hemmer für Katzen. Dieser konnte in Studien Bluthochdruck merklich senken. Da dieser Wirkstoff auch in flüssiger Form verfügbar ist,  könnte dies in Zukunft eine Alternative zu Amlodipin sein.

Alternativen aus der Humanmedizin

ACE-Hemmer für Menschen sind relativ günstig – bei gleicher Wirkung. Es gibt aber eine ganze Reihe an zugelassenen Präparaten für Tiere. Dies bedeutet, dass Tierärzte verpflichtet sind, die zugelassenen Produkte zu verschreiben anstatt auf Präparate aus der Humanmedizin zurückzugreifen. Der Vorteil von tiermedizinischen Produkten ist aber zum einen die Tablettengröße – diese ist auf das Gewicht von Hund und Katze angepasst. Zum anderen soll der „bessere“ Geschmack die Tablettengabe vereinfachen.

ACE-Hemmer Blister mit Tabletten und Kapseln

Die Kombination ACE-Hemmer + Spironolakton

Spironolakton greift ebenfalls in das RAAS ein indem es den Aldosteronrezeptor hemmt. Dadurch wird das RAAS an zwei verschiedenen Stellen blockiert. Dadruch wird ein höherer Effekt vermutet. Tatsächlich konnte in einer Studie nachgewiesen werden, dass die zusätzliche Behandlung zur Standardtherapie (ACE-Hemmer, Entwässerung, Pimobendan) mit Spironolakton einen positiven Effekt beim Hund mit Klappenerkrankungen hat. Auch hier gilt:  Sinn macht es vor allem im fortgeschrittenen Stadium der Herzerkrankungen. Spironolakton und ACE-Hemmer kombiniert gibt es als zugelassenes Medikament mit dem Markennamen Cardalis.

Hab ihr Fragen, Anregungen oder Kommentare zu diesem Thema? Dann würde ich mich freuen, wenn ihr mir schreibt.