Auch Katzen können an einer Herzmuskelschwäche erkranken. Die dilatative Kardiomyopathie (DCM) ist bei Katzen heutzutage zum Glück sehr selten. Sie kann genetisch bedingt sein oder durch einen Nährstoffmangel, insbesondere Taurinmangel, verursacht werden.


Was bedeutet eine DCM bei der Katze?

Bei einer DCM nimmt die Pumpkraft des Herzmuskels zunehmend ab, sodass nicht mehr genügend Blut in den Körper gepumpt wird. Eine genetische Komponente wird vermutet, ist jedoch bei Katzen noch nicht eindeutig belegt. Außerdem können ein Nährstoffmangel, die falsche Ernährung oder eine Herzmuskelentzündung sekundär zu einer DCM führen.

Die Erkrankung betrifft hauptsächlich die linke Herzhälfte. Infolge der verminderten Pumpkraft aktiviert der Körper Kompensationsmechanismen (z. B. erhöhtes Blutvolumen) und es kommt zu Umbauvorgängen im Herzmuskel. Dies führt dazu, dass sich linke Herzkammer und linker Vorhof immer weiter ausdehnen. Gleichzeitig können gefährliche Arrhythmien entstehen. Ist die Ausdehnungskapazität erschöpft, staut sich Blut zurück in die Lungengefäße, was zu Lungenödem und oft auch zu Flüssigkeitsansammlungen im Brustkorb (Thoraxerguss) führt.


ARVC – Sonderform der DCM

Eine seltene Form der DCM ist die Arrhythmogene Rechtsventrikuläre Kardiomyopathie (ARVC). Hier ist die rechte Herzseite betroffen, begleitet von lebensgefährlichen Arrhythmien. Im fortgeschrittenen Stadium kann sich Wasser im Brustkorb (Thoraxerguss) und Bauchraum (Aszites) ansammeln. In seltenen Fällen kann dies sogar zum plötzlichen Herztod führen.


DCM bei der Katze durch Taurinmangel

Früher wurde DCM bei Katzen häufig beobachtet. Katzen können die Aminosäure Taurin nicht selbst herstellen und müssen sie über die Nahrung aufnehmen. Seit den 1980er Jahren wird kommerzielles Katzenfutter ausreichend mit Taurin ergänzt, sodass DCM heutzutage nur noch selten auftritt.

Bei selbst gefütterten Katzen kann es jedoch immer noch zu Taurinmangel Katze kommen. Der Taurinspiegel lässt sich im Blut bestimmen und kann bei Bedarf über Tabletten oder Pulver ergänzt werden. Bei rechtzeitiger Behandlung kann sich der Herzmuskel über Monate hinweg wieder vollständig erholen, solange die Erkrankung nicht zu weit fortgeschritten ist.

Gründe für Taurinmangel heute

  • Selbstgekochtes Futter mit vorwiegend Huhn (Taurin kann beim Kochen verloren gehen)

  • Fütterung von Hundefutter (enthält kein Taurin)

  • Vegetarische Ernährung

  • Ausschließliche Fütterung mit nur einer einzigen Dosenfutterart

Es gibt auch Fallberichte von Katzen mit DCM und normalem Taurinspiegel, bei denen die Fütterung einen hohen Anteil an Hülsenfrüchten enthielt. Nach Ernährungsumstellung erholte sich das Herz wieder. Solche Fälle sollten bei der Diagnose abgeklärt werden.


Welche Symptome verursacht eine DCM bei der Katze?

Die Symptome der DCM Katze ähneln denen anderer Herzerkrankungen. Meist treten sie erst auf, wenn sich Wasser in Lunge oder Brustkorb angesammelt hat. Typische Anzeichen:

  • Schnelle Verschlechterung der Atemnot

  • Leistungsschwäche

  • Ohnmachtsanfälle (Synkopen)

  • Rhythmusstörungen durch Pumpkraftmangel

Durch die vergrößerten Herzkammern besteht zudem die Gefahr einer Aortenthrombose. Dabei bildet sich ein Blutgerinnsel im Vorhof, das in die Hauptschlagader gelangen kann, wodurch es zu plötzlicher, schmerzhafter Lähmung der Hinterbeine kommt. Mehr dazu im separaten Artikel zur Aortenthrombose bei Katzen.


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Wie wird die Diagnose gestellt?

Die DCM Diagnose erfolgt primär über Herzultraschall. Ergänzend können Röntgenbilder, kardiale Biomarker oder ein EKG Hinweise liefern, jedoch nicht eindeutig von anderen Herzerkrankungen unterscheiden.

Ein EKG ist sinnvoll bei Rhythmusstörungen oder Ohnmachtsanfällen. Bei Verdacht auf ein Lungenödem sollte auf jeden Fall ein Röntgenbild angefertigt werden.

Nicht immer lässt sich DCM von einer fortgeschrittenen HCM unterscheiden – dem sogenannten Burn-Out-Stadium. Hier wird der verdickte Herzmuskel dünn und schwach, was dem Erscheinungsbild einer DCM ähnelt. Eine Unterscheidung ist nur möglich, wenn vorher bereits eine HCM diagnostiziert wurde. Für die Therapie spielt dies jedoch keine Rolle, da die Behandlung identisch ist.

DCM im Ultraschall

Vergrößerter linker Vorhof und linke Hauptkammer bei DCM

Welche Therapiemöglichkeiten gibt es bei einer DCM bei der Katze?

Die Therapie einer DCM bei der Katze richtet sich nach dem Fortschreiten der Erkrankung.

  • Frühstadium (keine Symptome):
    Der Herzmuskel wird mit Pimobendan unterstützt, um die Pumpkraft zu verbessern.

  • Vergrößerte Vorhöfe:
    Viele Kardiologen empfehlen zusätzlich ein Medikament zur Reduktion des Thromboserisikos, z. B. Clopidogrel.

  • Dekompensation (Lungenödem oder Thoraxerguss):
    In den meisten Fällen werden Katzen erst vorgestellt, wenn bereits Atemnot besteht. Hier wird zusätzlich zu Pimobendan vor allem eine Entwässerungstherapie (Diuretika) wichtig. Ein Thoraxerguss kann punktiert werden, um dem Tier schnell Erleichterung zu verschaffen.

  • Weitere Standardmedikamente:

    • Gerinnungshemmung

    • ACE-Hemmer und ggf. Spironolakton

    • Bei gefährlichen Arrhythmien: Antiarrhythmika, unabhängig vom Krankheitsstadium

Mehr zu den Herzmedikamenten bei der Katze findet ihr in einem separaten Artikel.


Taurinmangel Katze

Besteht ein Taurinmangel, der durch einen Bluttest bestätigt werden kann, wird Taurin supplementiert.
Alle Katzen mit DCM sollten bis zum Vorliegen der Testergebnisse Taurin erhalten.
Empfohlene Dosierung: 250 mg Taurin 2× täglich.


Was kann ich Zuhause tun?

Das tägliche Leben der Katze muss durch die Diagnose nicht eingeschränkt werden.

  • Medikamentengabe: Solange die Katze ihre Medikamente regelmäßig erhält, kann sie tun, was sie möchte.

  • Fütterung: Herzpatienten können durch die richtige Ernährung unterstützt werden (salzarm, Omega-3-Fettsäuren). Katzen sind jedoch oft wählerisch, daher ist das Wichtigste, dass sie überhaupt frisst.

  • Mehr zum Thema Fütterung von Herzpatienten Katze findet ihr hier: Fütterung von Herzpatienten.


Wichtig: Atemfrequenzkontrolle

Eine steigende Atemfrequenz ist häufig das erste und manchmal einzige Anzeichen für Flüssigkeitsansammlungen. Deshalb ist es wichtig, dass Besitzer regelmäßig die Ruheatemfrequenz messen:

  • Normalwert in Ruhe: deutlich unter 40 Atemzüge pro Minute

  • Steigt die Frequenz über 40 oder kontinuierlich an → sofort Tierarzt aufsuchen


Wie bestimme ich die Ruheatemfrequenz?

  1. Beobachten, z. B. im Schlaf

  2. Zählen, wie oft sich der Brustkorb innerhalb einer Minute hebt und senkt

    • Ein Heben und Senken = 1 Atemzug

    • Für kurze Intervalle: 30 Sek. ×2 oder 15 Sek. ×4 hochrechnen

Hilfsmittel: Apps z.B. von CEVA (funktioniert auch für Katzen) oder Boehringer Ingelheim. Einfach im App-Store  „Atemfrequenz-Zähler“ eingeben.

RCM bei der Katze - App zum AF zählen

Wie sieht die Prognose einer DCM bei der Katze aus?

Wird die DCM bei der Katze früh im Krankheitsverlauf diagnostiziert und liegen noch keine Symptome vor, kann es Monate oder sogar Jahre dauern, bis erste Anzeichen auftreten. Wie schnell die Erkrankung tatsächlich fortschreitet, ist jedoch schwer vorherzusagen.

Die Prognose bei fortgeschrittener DCM ist vorsichtig: In einer Studie betrug die durchschnittliche Überlebenszeit nach Diagnosestellung nur etwa 2 Wochen. Anders verhält es sich, wenn ein Taurinmangel Katze die Ursache der Herzschwäche ist. Wird dieser rechtzeitig erkannt, kann sich der Herzmuskel erholen, und die Prognose ist deutlich besser.

Bei bereits bestehendem Herzversagen sind die ersten Wochen kritisch. Überlebt die Katze diese Phase, ist die Langzeitprognose in vielen Fällen ebenfalls gut.