Habt ihr einen Herzpatienten zu Hause und möchtet ihn gezielt über die Fütterung unterstützen? Die Forschung der letzten Jahre zeigt, dass man mit einer angepassten Ernährung durchaus das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen, die Lebensqualität verbessern und in manchen Fällen sogar die Medikamentendosis reduzieren kann. In sehr speziellen und seltenen Fällen ist eine Herz­erkrankung durch gezielte Fütterung sogar heilbar.

Gleichzeitig gibt es aber auch Fehlerquellen, die man kennen sollte.

Kein „One-size-fits-all“-Futter

Leider gibt es nicht das eine spezielle Herzfutter, das für alle Tiere gleichermaßen geeignet ist. Die optimale Fütterung hängt immer von der individuellen Situation ab:

  • Art der Herzerkrankung

  • Stadium der Erkrankung

  • Begleiterkrankungen

  • Ernährungszustand des Tieres

Zudem verändern sich die Bedürfnisse im Verlauf der Erkrankung. Regelmäßige Kontrollen und Anpassungen der Fütterung sind daher sinnvoll.


Wichtige Grundsätze

  • Oft reicht ein passendes kommerzielles Alleinfuttermittel, um die Fütterung zu optimieren – ohne komplizierte Diätpläne.

  • Bestimmte Nährstoffe können ergänzt werden. Aber: Futterzusätze werden häufig ohne Nachweis von Sicherheit und Wirksamkeit verkauft und sollten nicht unkritisch eingesetzt werden.

  • Wenn viele Medikamente notwendig sind, gilt immer: Medikamente haben Vorrang vor Nahrungsergänzungsmitteln.

Lest mehr zu Herzmedikamenten bei der Katze und beim Hund in den entsprechenden Artikeln.

 

  • Asymptomatisches Stadium

    (Herzerkrankung bekannt, aber noch keine Symptome – keine medikamentöse Therapie)

    In diesem frühen Stadium stehen Prävention und Optimierung im Vordergrund:

    • Moderater Salzgehalt im Futter. Dies ist ein idealer Zeitpunkt, um salzreiche Leckereien (z.B. Wurst oder Käse vom Tisch) zu reduzieren oder ganz zu streichen.

    • Optimierung des Ernährungszustands:

      • Übergewichtige Tiere sollten langsam abnehmen.

      • Untergewichtige Tiere sollten an Gewicht zulegen.

      • Ziel ist der Erhalt bzw. Aufbau von Muskelmasse durch angepasste Bewegung.

    • Omega-3-Fettsäuren können bereits in diesem Stadium sinnvoll sein. Studien zeigen, dass Hunde mit ausreichender Omega-3-Zufuhr länger überlebten.

 

Mildes bis moderates Herzversagen

(Symptome vorhanden, aber medikamentös gut kontrolliert)

In diesem Stadium verlieren viele Tiere an Gewicht und vor allem an Muskelmasse. Eine ausreichende Energie- und Eiweißzufuhr ist daher essenziell.

Futteraufnahme steigern – praktische Tipps

  • Umstellung von Trocken- auf Nassfutter

  • Wechsel der Futtermarke

  • Selbst kochen nur nach fachlicher Beratung

  • Appetitanreger ins Futter mischen, z.B.:

    • Joghurt, Sahne, Honig, Ahornsirup, Apfelmus

    • bei Katzen zusätzlich Fisch oder Fleisch

  • Ergänzung von Omega-3-Fettsäuren (z.B. Fischöl)

Eiweiß – bitte nicht reduzieren

Eiweiß sollte nicht eingeschränkt werden. Da Muskelabbau ein zentrales Problem darstellt, ist ein hoher Gehalt an hochwertigem Protein wichtig.

Nierendiäten werden aufgrund des niedrigen Salzgehalts manchmal empfohlen, sind aber ungeeignet, wenn sie zu wenig Eiweiß enthalten.

Richtwerte für Protein:

  • Katze: ca. 5,1 g / 100 kcal

  • Hund: ca. 6,5 g / 100 kcal

Fette & Omega-3-Fettsäuren

Omega-3-Fettsäuren wirken:

  • entzündungshemmend

  • antiarrhythmisch

  • unterstützend auf die Herzfunktion

Orientierende Tagesdosis:

  • EPA: 40 mg/kg Körpergewicht

  • DHA: 25 mg/kg Körpergewicht

Fischölpräparate sollten möglichst keine weiteren Zusätze enthalten (Vitamin E ist akzeptabel). Leinöl und Lebertran sind nicht geeignet. Näheres zu Omega-3 Fettsäuren inklusive potentiellen Nebenwirkungen lest ihr hier.

Salz, Kalium und Magnesium

  • Ziel: Natrium < 80 mg / 100 kcal

  • Besonders salzreiche Leckereien (Wurst, Brot, Käse) konsequent reduzieren.

  • Kalium- und Magnesiumspiegel sollten regelmäßig im Blut kontrolliert werden, da sowohl Mangel als auch Überschuss Herzrhythmusstörungen begünstigen können.


 

Hochgradiges Herzversagen

(Wiederkehrende oder schlecht kontrollierbare Symptome trotz Medikation)

  • Eiweißreich und streng salzarm füttern (Natrium < 50 mg / 100 kcal)

  • Fokus auf hohe Energiedichte, da häufig starker Gewichtsverlust vorliegt

Kalorienreich füttern – Ideen

  • Selbst gekochtes Fleisch

  • Salzarme Energieriegel oder Müsliriegel

  • Appetitanreger wie Joghurt, Fisch, Ahornsirup oder Apfelmus

  • Omega-3-Fettsäuren

  • Bei Katzen kann Mirtazapin als Appetitanreger sehr hilfreich sein

Alle zuvor genannten Prinzipien zu Fettsäuren und Elektrolyten gelten auch in diesem Stadium.


 

Spezialfälle: Wenn Futter krank macht – oder heilt

DCM bei der Katze durch Taurinmangel

Katzen können Taurin nicht ausreichend selbst herstellen. Ein Mangel führt zu einer dilatativen Kardiomyopathie (DCM). Seit der verpflichtenden Taurinanreicherung in kommerziellem Katzenfutter ist diese Erkrankung selten geworden.

Risiken bestehen jedoch bei:

  • vegetarischer Ernährung

  • unausgewogenem selbst gekochtem Futter

DCM beim Hund durch Taurinmangel

Hunde können Taurin grundsätzlich selbst synthetisieren. Bei bestimmten Rassen kann dennoch ein Mangel auftreten, u.a.:

  • Amerikanischer Cocker Spaniel

  • Neufundländer

  • Golden Retriever

Auch bestimmte Futtermittel begünstigen einen Mangel:

  • Lamm-und-Reis-Diäten

  • sehr ballaststoffreiche oder eiweißarme Futter

Ein Bluttest kann den Mangel nachweisen. Eine gezielte Taurinsupplementierung kann die Herzmuskelschwäche in diesen Fällen reversibel machen.

Getreidefreie Futtermittel

Neuere Studien zeigen, dass Hunde, die getreidefrei (mit hohem Erbsen- und Gemüseanteil) gefüttert werden, häufiger eine reduzierte Herzfunktion und vergrößerte Herzkammern zeigen. Nach Umstellung auf getreidehaltiges Futter waren diese Veränderungen teilweise reversibel.

Gerade bei Hunden mit DCM sollte die Fütterung daher immer kritisch hinterfragt werden.

 

Zustatzstoffe in der Fütterung von Herzpatienten

Weitere häufig diskutierte Zusatzstoffe

L-Carnitin

L-Carnitin ist im Herzmuskel hoch konzentriert. Ein Mangel kann beim Menschen zu Herzmuskelschwäche führen. Beim Hund – insbesondere beim Boxer mit DCM – wird eine Supplementation teilweise empfohlen. Die Datenlage ist jedoch begrenzt.

Antioxidantien

Ihr Nutzen bei Herzpatienten ist unklar. Gefäßerkrankungen spielen bei Tieren eine untergeordnete Rolle. Die meisten Futtermittel enthalten bereits Antioxidantien.

Coenzym Q10

Q10 wird beim Menschen mit positiven Effekten bei Herzmuskelschwäche in Verbindung gebracht. Aussagekräftige Studien bei Mensch und Tier fehlen bislang.

 


 

Habt ihr Fragen oder Anregungen zu diesem Thema? Oder habt ihr ein spezielles Thema über das ihr gerne mehr lesen würdet? Dann würde ich mich freuen, wenn ihr kommentiert oder mir schreibt.