Vermehrtes oder extremes Hecheln beim Hund ist ein sehr häufiger Vorstellungsgrund beim Kardiologen. Doch wie wahrscheinlich ist es tatsächlich, dass eine Herzerkrankung die Ursache für das Hecheln ist? Und macht es immer Sinn, bei hechelnden Hunden direkt einen Tierkardiologen zu konsultieren?
Beim ausgewachsenen Hund gibt es im Wesentlichen zwei Herzerkrankungen, die besonders häufig vorkommen.
Bei großen Hunderassen ist dies meist eine Herzmuskelschwäche (DCM – dilatative Kardiomyopathie).
Bei kleinen Hunderassen entwickelt sich dagegen häufiger eine Klappenundichtigkeit, die sogenannte Mitralklappenendokardiose (Mitral Valve Disease, MVD).
Daneben existieren seltenere Erkrankungen wie zum Beispiel Herzbeutelerguss oder Herzwurmerkrankungen.
Bei Welpen und Junghunden können außerdem angeborene Herzerkrankungen vorliegen.
Warum hechelt der Hund?
Vermehrtes Hecheln beim Hund tritt zunächst ganz normal auf, wenn es sehr heiß ist. Hunde regulieren ihre Körpertemperatur über das Hecheln, da sie – im Gegensatz zum Menschen – nicht über die Haut schwitzen. Diese Ursache ist den meisten Tierhaltern bekannt und wird meist als harmlos eingestuft.
Außerdem hecheln Hunde vermehrt bei körperlicher Anstrengung, da sie mehr Sauerstoff aufnehmen müssen.
Auch dann, wenn der Gasaustausch in der Lunge aus anderen Gründen eingeschränkt ist, kann es zu verstärktem Hecheln kommen.
Wann hechelt der Hund bei Herzerkrankungen?
Die häufigen Herzerkrankungen DCM und MVD führen erst in einem sehr fortgeschrittenen Stadium dazu, dass sich Flüssigkeit in der Lunge ansammelt. Es entsteht ein sogenanntes Lungenödem.
In dieser Situation ist der Gasaustausch in der Lunge deutlich eingeschränkt. Es kommt zu Atemnot, die sich unter anderem durch Hecheln und Husten äußern kann. Typisch ist außerdem eine erhöhte Ruheatemfrequenz, auch wenn der Hund nicht hechelt oder sich in Ruhe befindet (mehr als 40 Atemzüge pro Minute).
Ohne Behandlung ist dieser Zustand lebensbedrohlich – der Hund kann innerhalb von Stunden bis wenigen Tagen ersticken.
Zieht sich vermehrtes Hecheln jedoch über Wochen oder Monate, ist ein Lungenödem aufgrund einer Herzerkrankung sehr unwahrscheinlich.
Video zur Bestimmung der Ruheatemfrequenz beim Hund
Vermehrtes Hecheln bei kleinen Hunderassen
Im frühen Stadium einer Mitralklappenerkrankung zeigen Hunde in den allermeisten Fällen keine Symptome.
Wenn sich die Herzkammern jedoch vergrößern, kann es zu einem trockenen Husten kommen. Dieser entsteht, weil das vergrößerte Herz auf die Bronchien drückt und dadurch einen Hustenreiz auslöst.
Wichtig ist:
-
Die Lungenbelüftung ist in diesem Stadium nicht eingeschränkt
-
Die Ruheatemfrequenz bleibt normal
-
Vermehrtes Hecheln ist in der Regel nicht herzbedingt
Erst zum Zeitpunkt der Dekompensation, also wenn sich Flüssigkeit in der Lunge ansammelt, treten Atemnot und Hecheln auf.

Weitere Hinweise auf Herzprobleme beim kleinen Hund:
-
Herzgeräusch (Klappenundichtigkeiten verursachen immer ein Herzgeräusch)
-
Trockener Husten
-
Vergrößerte Herzsilhouette im Röntgenbild
-
Erhöhte kardiale Biomarker im Blut
-
Unregelmäßiger Herzrhythmus
-
Vermehrtes Hecheln bei großen Hunderassen
Bei der dilatativen Kardiomyopathie (DCM) sind die Symptome oft etwas anders gelagert. Die Herzmuskelschwäche kann bereits im kompensierten Stadium (also noch ohne Wasser in der Lunge) zu einer Leistungsschwäche führen.
Zwar sind die Lungen noch normal belüftet, doch das Herz ist nicht mehr in der Lage, ausreichend Blut in den Körper zu pumpen. Dadurch kann es zu einer Unterversorgung des Körpers mit Sauerstoff kommen. Diese äußert sich unter Belastung möglicherweise durch vermehrtes Hecheln, sollte jedoch in Ruhe wieder abklingen.
Da bei der DCM nicht zwingend ein Herzgeräusch vorhanden ist, sollte bei Hunden – insbesondere über 15–20 kg Körpergewicht – mit Leistungsschwäche immer auch an eine Herzerkrankung gedacht werden.
Zeigt der Hund hingegen eine normale Leistungsfähigkeit, ist extremes Hecheln eher ein Hinweis auf ein Problem der Lunge oder der oberen Atemwege. In unklaren Fällen kann ein Herzultraschall zuverlässig zwischen Herz- und Atemwegserkrankungen unterscheiden.
Weitere Hinweise auf ein Herzproblem beim großen Hund:
-
Herzgeräusch
-
Vergrößerte Herzsilhouette im Röntgenbild
-
Erhöhte Biomarker
-
Ohnmachtsanfälle (Synkopen)
-
Unregelmäßiger Herzrhythmus
-

Andere Ursachen für vermehrtes Hecheln beim Hund
-
Schmerzen (z. B. Arthrose, Bauchschmerzen)
-
Hitze
-
Lungenerkrankungen (z. B. chronische Bronchitis, Lungenfibrose, Lungenwürmer)
-
Erkrankungen der oberen Atemwege
(z. B. Larynxparalyse, Trachealkollaps, verlängertes Gaumensegel) -
Erkrankungen im Brustkorb
(z. B. Pneumothorax, Pleuraerguss) -
Angst und Stress
Zusammenfassung
Vermehrtes Hecheln beim Hund ist zunächst ein Problem der Atemwege.
Herzerkrankungen können die Atmung zwar beeinträchtigen, insbesondere durch Flüssigkeit in der Lunge, in diesen Fällen sind jedoch meist weitere deutliche Hinweise auf ein Herzproblem vorhanden, wie Herzgeräusch, Leistungsschwäche oder Atemnot.
Erfahrungsgemäß haben viele Hunde, die wegen vermehrten Hechelns beim Kardiologen vorgestellt werden, keine relevante Herzerkrankung. Ein Herzultraschall ist jedoch schmerzfrei, schnell durchführbar und erlaubt in den meisten Fällen eine klare Diagnose oder den sicheren Ausschluss einer kardialen Ursache.
Da Atemwegserkrankungen oft schwieriger zu diagnostizieren sind, ist es dennoch sinnvoll, zunächst das Herz abzuklären.



