Herzklappenerkrankungen beim Calvalier King Charles

Die Herzklappenerkrankung – oder Mitralklappenendokardiose – ist die häufigste Herzerkrankung beim Hund, wobei vor allem kleine Rassen bis ca. 15 kg betroffen sind. Es handelt sich dabei um eine krankhafte Veränderung der Herzklappe zwischen linker Vorkammer und linker Hauptkammer die mit zunehmendem Schweregrad zur Vergrößerung der Herzkammern führt. Synonyme sind Myxomatöse Mitralklappenerkrankung (MMVD) und Mitral Valve Disease (MVD). Das Symptom, welches das typische Herzgeräusch auslöst, nennt man Mitralklappeninsuffizienz.

Ursache und Verlauf einer Herzklappenerkrankung

Die Ursache für die Erkrankung ist meist nicht eindeutig geklärt, allerdings wird eine genetische Komponente stark vermutet. Die Klappenveränderungen entwickeln sich dabei über Jahre. Mit fortschreitender Erkrankung kommt es zur immer schlimmer werdenden Undichtigkeit der Klappe (Mitralklappeninsuffizienz) und Blut fließt zunehmend zurück in die Vorkammer anstatt in den Körperkreislauf. Wird die Kapazität der Vorkammer sich auszudehnen überstiegen, staut sich Blut zurück in die Lungengefäße und es sammelt sich Wasser in der Lunge. 

Wie so eine Klappe im Ultraschall aussieht, kann man sehr gut auf diesem Video erkennen.

Symptome einer Herzklappenerkrankung

In der ersten Phase der Erkrankung zeigen die Hunde keinerlei Symptome. Häufig wird die Krankheit festgestellt, wenn der Tierarzt z.B. bei einem Impftermin oder einer anderen Untersuchung ein Herzgeräusch hört. Es kann aber auch sein, dass die Krankheit überhaupt nicht festgestellt wird bis der Hund die ersten Symptome zeigt. In vielen Fällen werden diese Tiere wegen Husten vorgestellt. Dieser entsteht, da das Herz sich vergrößert, auf die Bronchien drückt somit einen Hustenreiz auslöst. Im späteren Stadium, wenn sich Wasser in der Lunge ansammelt. Aber auch Symptome wie Leistungsschwäche, Gewichtsverlust oder Ohnmachtsanfälle kommen vor.

Herzklappenerkrankungen beim Dackel

Welche Rassen sind von Klappenerkrankungen betroffen?

Drei Viertel aller Hunde über 13 Jahre sind von der Krankheit mehr oder weniger schlimm betroffen. Von einer Sonderform der Mitralklappenendokardiose spricht man beim Cavalier King Charles. Bei dieser Rasse tritt die Erkrankung oft schon im jungen Alter auf. Andere überrepräsentierte Rassen sind Dackel, Zwergpudel, Yorkshire Terrier und Mini Schnauzer. Generell können aber alle kleine Hunderassen eine Mitralklappenerkrankung entwickeln. Bei größeren Hunderassen ist die MVD viel seltener.

Diagnose einer Herzklappenerkrankung

Wird ein Herzgeräusch beim kleinen älteren Hund festgestellt, ist dies bereits ein guter Hinweis, dass eine Klappenerkrankung vorliegen könnte. Je größer der Hund, desto unsicherer ist es, da bei größeren Hunden Herzmuskelerkrankung häufiger vorkommen und das Herzgeräusch sich genau gleich anhört. Um die Diagnose sicher zu stellen, ist ein Herzultraschall nötig. Dabei kann man die Klappen beurteilen, mit Messtechniken den Schweregrad bestimmten und Prognosen abgeben. Allerdings kann man mit nur einer Untersuchung wenig über die Geschwindigkeit sagen, mit der die Krankheit fortschreitet. Dafür sind mehrere Untersuchungen in bestimmten Abständen nötig. Nicht jeder Tierarzt hat die Möglichkeit einen Herzultraschall durchzuführen. Auch ein Röntgenbild kann weiteren Aufschluss geben hat aber seine Limitationen.

In manchen Fällen wird der Hund wegen Schwäch- oder Ohnmachtsanfällen vorgestellt. In diesen Fällen ist es angebracht ein EKG zu schreiben um Arrhythmien abzuklären. Auch diese können vorkommen und müssen gegebenenfalls behandelt werden.

EGK bei Herzklappenerkrankungen

Therapie einer Herzklappenerkrankung

Asymptomatisches Stadium:

Zu Beginn der Krankheit sind keine Medikamente nötig. Es macht jedoch Sinn in bestimmten Abständen (z.B. einmal jährlich) eine Herzultraschall – Kontrolle durchzuführen. Nach den neuesten Studien ist es von Vorteil das Medikament Pimobendan einzusetzen sobald sich das Herz vergrößert. Dadurch soll sich die Zeit bis zum Herzversagen (Wasser in der Lunge) verlängern. Pimobendan steigert die Pumpkraft des Herzmuskels und unterstützt somit das Herz.  Viele Tierärzte setzen Kreislaufunterstützende ACE-Hemmer wie z.B. Benazepril ein, sobald sie ein Herzproblem feststellen oder auch nur ein Herzgeräusch hören. Es gibt jedoch keinen wissenschaftlichen Nachweis, dass dieser Wirkstoff im frühen Stadium Vorteile bringt.

Falls nur ein Halsband verwendet wird, macht es Sinn auf ein Brustgeschirr umzusteigen. Dies sollte nicht am Hals Druck ausüben, da dies einen Hustenreiz im späteren Stadium verschlimmern kann.

Symptomatisches Stadium:

Sammelt sich Wasser in der Lunge, müssen zusätzlich Medikamente zur Entwässerung (Diuretika) eingesetzt werden. Furosemid oder Torasemid sind hier Wirkstoffe der Wahl. Eventuell reicht diese Entwässerung ab einem bestimmten Zeitpunkt nicht mehr aus und weitere Diuretika müssen dazu gegeben werden. HCT (Hydrochlorothiazid) ist dafür eine potenter Wirkstoff. Auch in symptomatischen Stadium war Pimobendan in aktuellen Studien den ACE-Hemmern überlegen. Ob der kombinierte Einsatz von Pimobendan und ACE-Hemmern besser ist, bleibt noch unklar. Wenn ACE-Hemmer eingesetzt werden (was zurzeit noch zur Standardtherapie gehört), ist es sinnvoll zusätzlich Spironolacton zu verwenden um das ACE-System noch effektiver zu blockieren. Das Kombiprodukt Cardalis enthält sowohl ACE-Hemmer als auch Spironolacton. Spironolacton hat zusätzlich den Vorteil niedrigen Kalium-Werten (oft bei Entwässerung der Fall) entgegen zu wirken.

Die Medikamente im klinischen Stadium nochmal zusammengefasst:
  • Entwässerung (Furosemid/Torasemid + ggf HCT)
  • Pimobendan
  • ACE-Hemmer (z.B. Benazepril)
  • (Spironolacton)
Rhythmusstörungen:

Sind Rhythmusstörungen vorhanden, müssen diese auf ihre Gefährlichkeit untersucht werden. Ein 24h-EKG kann dafür nötig sein. Bei „gefährlichen“ Rhythmusstörungen sind Antiarrhythmika empfohlen. Gefährliche Arrhythmien bedeuten, dass sie das Potential haben Tachykardien bis hin zum Kammerflimmern und plötzlichen Herztod auszulösen.

Ist ein Herzklappenersatz beim Tier möglich?

Beim Menschen wird ab einem gewissen Grad der Herzklappenerkrankung eine neue Herzklappe eingesetzt. Obwohl dies beim Hund in den USA schon erfolgreich durchgeführt wurde, bleibt dies weiterhin eine experimentelle Technik, welche in der Tiermedizin leider nicht routinemäßig zur Verfügung steht.

Herzklappenerkankgunen bei alten Hunden

Was kann man zu Hause für die Patienten tun?

Aktivität:

Hunde mit einer Herzklappenerkrankung oder Herzproblemen ganz allgemein wissen meist am besten wie sehr sie sich selber belasten können. Aktivitäten bei denen sie ihr Aktivitätslevel nicht selbst einteilen können wie z.B. lange Radtouren oder Joggen sind eher zu vermeiden, ansonsten ist fast alles erlaubt und der Herzpatient muss nicht „geschont“ werden. Im späteren Stadium wird die Leistungsfähigkeit zwar abnehmen, aber es ist immer das Ziel die Lebensqualität des Tieres durch Medikamente hoch zu halten um ihm so lange wie möglich ein normales Leben zu ermöglichen. Es sollte berücksichtigt werden, dass der Hund durch die Entwässerungsmedikamente mehr Durst hat und öfter raus muss.

Futter:

Mit den richtigen Futtermitteln kann man den Schützling ebenfalls unterstützten. Im frühen Stadium ist vor allem auf den richtigen Ernährungszustand zu achten. Was man sonst noch Gutes tun kann, lest ihr im Artikel über Ernährung von Herzpatienten.

Atemfrequenz zählen:

Ein wichtiger Aspekt um frühzeitig eine Verschlechterung der Krankheit zu erkennen ist das Atemfrequenz zählen. Dabei zählt ihr wie oft sich der Brustkorb in der Minute hebt und senkt (einmal Heben und Senken = 1 Atemzug). Der Wert sollte deutlich unter 40 Atemzüge pro Minute liegen. Wichtig ist, die Atemfrequenz zu zählen, wenn der Hund schläft oder ruhig liegt. Zählt man die Atemfrequenz regelmäßig, bekommt man schnell ein Gefühl für den “Normalzustand” und merkt, wenn sich etwas verändert. Eine erhöhte Ruheatemfrequenz ist beim Herzpatient ein Anzeichen von Wasser in der Lunge. Achtung: Wasser in der Lunge ist ein Notfall und führt unbehandelt zum Ersticken. Mehr darüber lest ihr im Artikel über Herzversagen.

Video als Anleitung zum Atemfrequenz zählen

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