Hermedikamente beim Hund - Pillen

Für Hundebesitzer ist es oft nicht einfach einzuschätzen ob bestimmte Medikamente wirklich nötig sind und warum sie eingesetzt werden. Auch Tierärzte haben nicht immer die gleiche Meinung darüber welche Herzmedikamente beim Hund wann verschrieben werden sollten, bzw. es gibt nicht immer klare wissenschaftlich basierte Anleitungen. Umso wichtiger ist es, den Besitzer umfassend zu informieren und ihn in die Entscheidung mit einzubeziehen. Gerade in der Kardiologie, in der es oft um eine lebenslange Therapie geht.

WICHTIG: Bei Herzmedikamenten kann man vieles falsch machen. Eine kleine Änderung kann die Lebensqualität des Vierbeiners stark beeinflussen. Deshalb Medikamente nur in Absprache mit einem Tierarzt, besser noch Kardiologen verabreichen und Dosisänderungen immer vorher besprechen. Durch regelmäßige Kontrollen kann man sichergehen, dass die Therapie dem jeweiligen Krankheitsstadium angepasst ist.

Welche Herzmedikamente spielen beim Hund eine Rolle?

1. Entwässerung

Die sogenannten Diuretika oder auch „Wassertabletten“ sind dann indiziert, wenn der Hund zum ersten mal Wasser in der Lunge (oder im Bauchraum) hat – davor macht es keinen Sinn sie zu verabreichen.

Man nennt diesen Zeitpunkt Herzversagen. Näheres dazu im Artikel über Wasser in der Lunge. Um die angesammelte Flüssigkeit aus der Lunge wieder herauszubekommen, muss der Körper „ausgetrocknet“ werden. Entwässerungsmedikamente führen dazu, dass die Niere vermehrt Harn produziert und somit Flüssigkeit aus Körper ausgeschieden wird. Ist ein Hund im Herzversagen, so wird er ohne Entwässerung nicht überleben und muss auch fortan dauerhaft damit therapiert werden. In der akuten Phase kann die Dosis dabei sehr hoch sein, anschließend sollte man die Dosis langsam reduzieren und so wenig wie möglich aber soviel wie nötig an Entwässerungsmedikamente geben. Meist ist eine Reduktion unter 2 mg/kg Körpergewicht zweimal täglich nicht möglich. Falls doch, sollte man die Diagnose Herzversagen noch einmal kontrollieren. Ob die Dosis ausreicht, kann man am Besten mittels der Atemfrequenz beurteilen. Auch dazu mehr im Artikel über Herzversagen.

WICHTIG: Wassertabletten haben im Herzversagen oberste Priorität. Ist die Tablettengabe schwierig, so müssen zuerst andere Herzmedikamente weggelassen werden.

Welche Diuretika werden beim Hund eingesetzt:

  • Furosemid (Dimazon®) – ein sogenanntes Schleifendiuretikum – ist das am häufigsten eingesetzte Entwässerunsmedikament. Es kann dabei in Tablettenform gegeben werden oder im akuten Fall auch gespritzt werden. Da mit der Flüssigkeit auch Elektrolyte ausgeschieden werden, sollten diese bei längerer Gabe regelmäßig kontrolliert werden.
  • Bei großen Hunden kann es sinnvoll sein Torasemid (Upcard®) einzusetzen. Torasemid ist ebenfalls ein Schleifendiuretikum, wirkt ähnlich wie Furosemid ist aber um ein vielfaches potenter. Man muss also kleinere Dosen verabreichen. In manchen Fällen greift es zudem besser als Furosemid – auch bei kleineren Hunden.
  • Weitere Diuretika sind Spironolacton und Hydrochlorothiazid (HCT). Diese kommen vor allem im fortgeschritten Stadium des Herzversagens zusätzlich zum Einsatz. Spironolacton z.B. kann bei Hunden mit niedrigen Kaliumwerten vorteilhaft sein, da es kaliumsparend ist. HCT wird ebenfalls zusätzlich eingesetzt, wenn z.B. die Höchstdosis an Furosemid nicht mehr ausreicht. Als alleinige Diuretika werden sie eigentlich nicht verwendet. Spironolacton kommt auch zusammen mit ACE-Hemmern zur Kreislaufunterstützung zum Einsatz.

Nebenwirkungen:

  • Durch die Entwässerung muss der Hund öfter raus, da große Mengen Urin produziert werden. Sekundär wird er natürlich auch vermehrte Mengen trinken, weshalb Wasser immer in ausreichender Menge bereit stehen muss.
  • Bei längerer Gabe von Diuretika (v.a. Schleifendiuretika) können verminderte Natrium- und Kaliumwerte die Folge sein. Diese müssen regelmäßig kontrolliert und entsprechend ausgeglichen werden.

2. Pimobendan

Pimobendan (Vetmedin®) hat zwei Funktionen: Es unterstützt die Pumpkraft des Herzmuskels und erweitert zusätzlich die Gefäße, was dazu führt, dass die Herzarbeit erleichtert wird. In unterschiedlichen Studien konnte der positive Effekt von Pimobendan bei Herzmuskelschwäche und Klappenerkrankungen nachgewiesen werden. Vetmedin® ist in verschiedenen Dosierungen als Kautabletten oder Kapseln erhältlich.

Wann wird es eingesetzt

  • DCM (Dilatative Kardiomyopathie)

    Bei der DCM handelt es sich primär um eine Schwäche des Herzmuskels und Pimobendan ist das Medikament der Wahl um dem Herzmuskel zu unterstützen und die Pumpfähigkeit zu steigern. Daher wird es bei dieser Herzerkrankung eingesetzt sobald eine verminderte Pumpkraft diagnostiziert wird und als Dauertherapie gegeben.

  • MVD (Mitralklappenerkrankung)

    Bei Klappenerkrankungen ist nicht primär die Pumpkraft des Herzmuskels beeinträchtigt. Trotzdem konnte in aktuellen großen klinischen Studien gezeigt werden, dass der Einsatz bereits vor Anzeichen von Herzversagen positive Effekte hat (verlängert Zeit bis zum Herzversagen, bessere Lebensqualität). Daher ist die aktuelle Empfehlung auch bei Klappenundichtigkeiten Pimobendan einzusetzen, sobald sich eine Vergrößerung des Herzens nachweisen lässt.

Herzmedikamente beim Hund

  • Herzversagen

    Im symptomatischen Stadium von Herzerkrankungen beim Hund gehört Pimobendan schon seit einiger Zeit zur Standardtherapie. In Studien konnte eine verlängert Überlebenszeit und bessere Lebensqualität nachgewiesen werden und im Vergleich zu ACE-Hemmern war Pimobendan überlegen. Allerdings wurde nicht untersucht, ob eine Kombination beider Medikamente noch besser wäre.

Kontraindikationen sind Herzerkrankungen bei denen eine vermehrte Pumpfunktion nicht unbedingt erwünscht ist, da z.B. eine Verengung im Ausflusstrakt vorhanden ist (Subaorten- oder Aortenstenose).

Nebenwirkungen:

  • Meistens wird Pimobendan sehr gut vertragen. Da man 2x täglich Tabletten geben muss, kann es bei manchen Hunden schon mal schwierig werden sie regelmäßig zu verabreichen. Vor allem wenn noch eine Reihe weiterer Tabletten dazu kommt.
  • In früheren Studien gab es Hinweise, dass eine Langzeittherapie auch negative Effekte auf den Herzmuskel haben kann. In neueren Studien wurde aber gezeigt, dass die positiven Effekte deutlich überwiegen.
  • Es kann außerdem in seltenen Fällen zu Erbrechen und Appetitlosigkeit kommen. Auch Durchfall und Schlappheit ist beschrieben. Die Nebenwirkungen sind Dosisabhängig und eine Dosisreduktion schafft meist Abhilfe.

Alternativen: Um die Pumpkraft des Herzens zu steigern wurden vor Pimobendan vor allem Digitalis eingesetzt. Da Digitalis nicht einfach in der Dosierung ist und bei höheren Dosen toxisch sein kann wird es kaum noch für dies Indikation verschrieben.

3. ACE-Hemmer

ACE steht für Angiotensin-Converting-Enzyme. Dieses Enzym ist Teil des RAAS (Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems), welches für den Flüssigkeits- und Elektrolythaushalt sowie die Regulation des Blutdruckes verantwortlich ist. Sinkt der Blutdruck oder der Blutfluss zur Niere, so wird das System aktiviert. Eine Aktivierung hat aber eine höhere Belastung für das Herz zur Folge, weshalb man versucht mittels Medikamenten (ACE-Hemmer) diesen Vorgang zu blockieren.

In der Theorie macht der Einsatz von ACE-Hemmern also eindeutig Sinn. Trotzdem sind Studien nicht so eindeutig positiv wie man es erwarten würde. Dies zeigt wie Komplex dieses Regulationssystem im Körper ist und lässt vermuten, dass viele weitere Faktoren mit eine Rolle spielen.

Einsatz vor dem Herzversagen:

Es gibt zahlreiche Studien zu ACE-Hemmern in verschiedenen Stadien von Herzerkrankungen und  noch mehr Diskussionen darüber, wann und ob sie überhaupt Sinn machen. Der Einsatz im vorklinischen oder asymptomtomatischen Stadium konnte bisher keinen eindeutigen wissenschaftlich belegten Vorteil bringen. Der Einsatz sobald Symptome wie z.B. Leistungsschwäche und Husten (aber noch kein Wasser auf der Lunge) vorhanden sind ist ebenfalls kontrovers. Vor allem im Vergleich zu Pimobendan waren ACE-Hemmer in dieser Krankheitsphase bei Klappenerkrankungen überlegen. Trotzdem werden sie oft im frühen Krankheitsstadium bei Herzpatienten eingesetzt.

Thoraxröntgenbild Hund

Röntgenbild vom Brustkorb eines Hundes – so kann Wasser in der Lunge diagnostiziert werden

Einsatz ab dem Zeipunkt des Herzversagens:

Die meisten Kardiologen setzen ACE-Hemmer ein, sobald das erste Mal Wasser auf der Lunge vorhanden war. In früheren Studien wurde die verbesserte Lebensqualität und verlängerte Überlebenszeit beim Einsatz von ACE-Hemmern in diesem Krankheitsstadium nachgewiesen. In neueren Studien konnte gezeigt werden dass bei Mitralklappenerkrankungen Pimobendan den ACE-Hemmern überlegen war, wenn sie einzeln eingesetzt werden. Fraglich ist dennoch, ob eine Kombination der beiden besser ist, als Pimobendan alleine. Letztendlich bleibt die Entscheidung im Ermessen des Kardiologen ob ACE-Hemmer verschrieben werden oder nicht. Zur Zeit ist eine Dreifach-Therapie mit Diuretika, ACE-Hemmern und Pimobendan Standard im Herzversagen.

Aldosteron-Antagonist Spironolakton

Werden ACE-Hemmer eingesetzt, kann man argumentieren, ob zusätzlich ein Aldosteronantagonist (Spironolacton) verwendet werden soll um das RAAS an zwei unterschiedlichen Stellen zu blockieren und somit einen höheren Effekt zu erzielen. Auch dazu gibt es Studien, welche diese These unterstützen. Es wurde bei Hunden mit Klappenerkrankungen gezeigt, dass die Kombination ACE-Hemmer und Spironolacton besser wirkt als ACE-Hemmer alleine. Dafür ist eine Kombiprodukt (Cardalis®) auf dem Markt, welches Benazepril und Spironolacton enthält.

Nebenwirkungen:
  • ACE-Hemmer werden gut vertragen. Husten, welcher beim Menschen oft vorkommt wird beim Tier nicht beobachtet.
  • Selten kommt es zu Müdikeit, Koordinationsstörungen, niedrigen Blutdruck und erhöhten Nierenwerten.
  • ACE-Hemmer sollten nicht im akuten Herzversagen eingesetzt werden (akut Wasser in der Lunge), da es zu Nierenschädigung (selten) kommen bzw. der Entwässerungseffekt vermindert werden kann.

Welche ACE-Hemmer gibt es:

Benazepril (Nelio®, Fortekor®, Benakor®)
Enalapril (Enacard®)
Imidapril (Prilium®) Vorteil: flüssig
Ramipril (Vasotop®)

4. Antiarrhythmika

Es gibt viele Ursachen für Rhythmusstörungen. Manche Arrhythmien sind dabei relativ harmlos, manche können tödlich sein. Das Problem ist, dass man mittels EKG nur einen sehr kurzen Einblick in die elektrische Herzaktivität bekommt (wenige Minuten). Besser sind 24 Stunden EKGs – aber auch dann ist nicht immer sicher, dass man schwere Rhythmusstörungen aufzeichnet, bzw. ist es schwierig ein Grenze zwischen behandlungsbedürfigen- und nicht behandlungsbedürftigen Arrhythmien zu ziehen. Jedes antiarrhythmische Medikament hat das Potential selber Rhythmusstörungen oder andere Nebenwirkungen auszulösen. Deshalb ist die Entscheidung ob behandelt wird nicht leichtfertig zu treffen. Es empfiehlt sich bei Arrhythmien immer einen Kardiologen aufzusuchen, der sich mit Rhythmusstörungen auskennt.

Kriterien für den Einsatz von Antiarrhythmika sind:

  • Synkopen (Ohnmachtsanfälle)
  • Dobermänner oder Boxer mit entsprechender DCM und gefährlichen Arrhythmien
  • Tachykardien (sehr hohe Herzfrequenzen)
  • Vorhofflimmern mit hohen Herzfrequenzen (über 160/min)
  • Arrhythmien im 24-h-EKG, welche das Potential haben Kammerflimmern auszulösen
  • Arrhythmien im 24-h-EKG und entsprechenden Symptome (Schwäche, Müdigkeit ect.)

EKG- Ausdruck

Welche Medikamente kommen zu Einsatz:

  • Sotalol

    Häufig eingesetztes Medikament für ventrikuläre Rhythmusstörungen (Hauptkammern). Kann aber auch für supraventrikuläre Arrhythmien eingesetzt werden (Vorhöfe). Es wird meist gut vertragen, Nebenwirkungen sind aber möglich. Die Dosis sollte langsam gesteigert werden um Nebenwirkungen vor allem auf Herzfrequenz und Kontraktilität (Pumpkraft) zu minimieren. Kombination mit anderen Medikamenten sind möglich.

  • Amiodaron

    Amiodaron ist sehr potent und hat ein breites Wirkspektrum. Allerdings kann es auch viele Nebenwirkungen auslösen, weshalb es etwas gefürchtet ist und nur mit Vorsicht zum Einsatz kommen sollte. Zudem entfaltet es seine Wirkung nur langsam und bedarf eine höheren Anfangsdosis. Amiodaron ist eine gute Alternative wenn andere Medikamente nicht wirken.

  • Lidocain

    Lidocain wird oft erfolgreich als Notfallmedikament eingesetzt, allerdings hat es eine sehr kurze Wirkdauer, weshalb es als Dauermedikation nicht praktikabel ist.

  • Ca-Kanal-Blocker (Diltiazem, Verapamil)

    Ca-Kanal-Blocker kommen bei Arrhythmien der Vorhöfe zum Einsatz. Auch bei Vorhofflimmern kann es eine Alternative zu Digoxin bilden. Der Blutdruck sollte dabei kontrolliert werden, da Diltiazem auch auf die Gefäße wirkt. Der Vorteil gegenüber Digoxin ist die einfachere Dosierung und geringere Nebenwirkungen vor allem in hohen Dosen. Allerdings können sie die Leistung des Herzmuskels mindern, weshalb sie bei DCM nicht eingesetzt werden sollten.

5. Beta-Blocker (Atenolol, Esmolol, Propanolol)

Die klassische Betablocker (v.a. Atenolol) werden vor allem zur Senkung der Herzfrequenz bei angeborenen Herzerkrankungen wie z.B. Aortenstenose eingesetzt. Aber auch bei Rhythmusstörungen der Vorhöfe oder Hauptkammern kann man sie verwenden. Bei Atenolol sollte man die Dosis langsam steigern. Die Kontraktilität des Herzmuskels wird bei Beta-Blockern ebenfalls gemindert, weshalb DCM eine Kontraindikation darstellt.

6. Digitalis (Digoxin)

Digoxin ist ein sehr potenter Wirkstoff aus einer Pflanze (Fingerhut), welcher früher sehr häufig verwendet wurde. Heutzutage kommt er vor allem bei Vorhofflimmern zum Einsatz, da er die Herzfrequenz der Kammern senken kann. Der Vorteil von Digoxin ist der positive Effekte auf die Pumpkraft. Nachteil ist, dass es nicht ganz einfach ist den Wirkstoff zu dosieren und dass er in hohen Dosis toxische Effekte hat. Deshalb sind regelmäßige Blutkontrollen nötig und der Einsatz auch nicht mehr so beliebt. Zur Pumpkraftsteigerung wird heute hauptsächlich Pimobendan eingesetzt.

Herzmedikamente Hund - roter Fingerhut

Roter Fingerhut

Fast alle antiarrhythmische Medikamente sind aus der Humanmedizin. Studien sind äußerst schwierig, da kein Fall dem anderen gleicht, weshalb es oft auf die Erfahrung des Kardiologen ankommt, welches Medikament für den individuellen Fall eingesetzt wird. Dabei gibt es kein pauschales Richtig oder Falsch.

Diese Liste an Medikamenten enthält die gängigen und wichtigsten Medikamente. Gerade in der Notfalltherapie können noch weitere Medikamente zum Einsatz kommen, mit denen jedoch der Besitzer in der Regel nichts zu tun hat.

Habt ihr Fragen zum Thema Herzmedikamente beim Hund? Oder bekommt euer Hund vielleicht ein Medikament, welches nicht in diesem Artikel behandelt wurde? Dann würde ich mich freuen von euch zu hören.

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