Ein veränderter Herzrhythmus kommt bei Hunden und Katzen relativ häufig vor. Er kann harmlos sein, im schlimmsten Fall jedoch sogar zum plötzlichen Herztod führen. Das Erkennen und die Behandlung von Herzrhythmusstörungen ist komplex, erfordert viel Erfahrung und sollte nicht leichtfertig durchgeführt werden. Rhythmusstörungen können eine Begleiterscheinung von Herzerkrankungen sein, aber auch ohne zugrundeliegendes Herzleiden auftreten oder durch andere organische Erkrankungen und Medikamente verursacht werden.

Inhalt:

Der normale Sinusrhythmus und die respiratorische Sinusarrhythmie

Welche Rhythmusstörungen gibt es?

Welche Symptome machen Rhythmusstörungen?

Wie werden Rhythmusstörungen diagnostiziert?

Wann und wie muss man Rhythmusstörungen behandeln?

Informationen über die einzelnen Antiarrhythmika

 

Der normale Sinusrhythmus und die respiratorische Sinusarrhythmie

Ein normaler Herzrhythmus wird als Sinusrhythmus bezeichnet, da der Impuls vom Sinusknoten, dem natürlichen Schrittmacher des Herzens, ausgeht. Er zeigt ein charakteristisches Muster, das sich meist nur in der Frequenz unterscheidet.

Normale Herzfrequenz beim Hund:

  • Erwachsene Hunde: 70–160 Schläge/Minute

  • Zwergrassen: bis 180 Schläge/Minute

  • Welpen: bis 220 Schläge/Minute

Normale Herzfrequenz bei Katzen: 160–240 Schläge/Minute

Rhythmusstörungen

 

RhythmusstörungenDer Impuls entsteht im Sinusknoten, wird über schnelle Leitungsbahnen zum AV-Knoten geleitet und breitet sich gleichzeitig über die Vorhöfe aus. Vom AV-Knoten aus erfolgt die Weiterleitung auf die Hauptkammern und über schnelle Leitungsbahnen zu den Herzspitzen, wodurch der gesamte Herzmuskel erregt wird. Im EKG zeigt sich dies wie folgt:

  • P-Welle: Vorhoferregung

  • QRS-Komplex: Kammererregung

  • T-Welle: Erholung der Herzmuskelzellen

Variationen wie Schenkelblöcke sind meist hämodynamisch unbedenklich, müssen aber von gefährlicheren Arrhythmien unterschieden werden.

Eine physiologische Variation ist die respiratorische Sinusarrhythmie beim Hund. Die Herzfrequenz steigt beim Einatmen und sinkt beim Ausatmen. Diese tritt vor allem bei entspannten Tieren und gesunden Herzen auf. Bei körperlicher Belastung steigt die Herzfrequenz, und der Rhythmus wird wieder regelmäßig. Bei fortgeschrittenen Herzerkrankungen ist diese Variation oft nicht mehr zu beobachten.


Welche Rhythmusstörungen gibt es?

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen Bradyarrhythmien, die zu einer zu langsamen Herzfrequenz führen, und Tachyarrhythmien, die eine zu schnelle Herzfrequenz verursachen.

Bradyarrhythmien

AV-Blöcke:
Beim AV-Block wird der Impuls aus dem Sinusknoten im AV-Knoten blockiert.

    1. Grad: Impuls verlangsamt

    1. Grad: nicht jeder Impuls wird weitergeleitet

    1. Grad: alle Impulse blockiert
      Beim totalen Block generieren die Herzkammern ihren eigenen Impuls mit 30–40 Schlägen pro Minute, auch bei Belastung.

Sick-Sinus-Syndrom (SSS):
Der Sinusknoten arbeitet unregelmäßig, was zu langen Pausen, langsamen Sinusrhythmen, supraventrikulären Extrasystolen, supraventrikulären Tachykardien und AV-Blöcken führen kann. Häufig betroffen sind Minischnauzer, West Highland White Terrier, Dackel, Boxer und Cocker Spaniel.

Vorhofstillstand:
Der Sinusknoten erzeugt Impulse, diese werden jedoch nicht weitergeleitet. Diese seltene Arrhythmie tritt vor allem bei jüngeren Hunden auf, häufig beim Englischen Springer Spaniel.

Reflex-Bradykardien (vaso-vagale Synkopen):
Kurze Ohnmachtsanfälle können durch plötzliche Reize wie Freude oder Husten ausgelöst werden. Die kurzfristige Bradykardie und Hypotonie führen zu Sauerstoffmangel im Gehirn, das Tier fällt um, erholt sich jedoch nach Sekunden.


Tachyarrhythmien

Supraventrikuläre Extrasystolen (SVES):
Ein zusätzlicher Impuls entsteht in der Wand der Vorhöfe und unterbricht den normalen Herzrhythmus. Einzelne SVES sind meist unproblematisch, viele Extraschläge können jedoch die Herzleistung beeinträchtigen.

Supraventrikuläre Tachykardien (SVT):
Ständige Impulsbildung in den Vorhöfen übertrifft die Frequenz des Sinusknotens. Andauernd hohe Herzfrequenzen belasten das Herz, und eine gezielte Therapie ist wichtig.

Vorhofflimmern:
Die Vorhöfe werden mit Frequenzen über 450 Schlägen/Minute erregt. Der AV-Knoten filtert die Impulse, trotzdem kann die Herzfrequenz sehr hoch und unregelmäßig sein. Vorhofflimmern tritt häufig bei stark vergrößerten Vorhöfen auf, bei einigen Rassen (z. B. Irischer Wolfshund) auch ohne Vorhofvergrößerung.

Ventrikuläre Extrasystolen (VES):
Extraschläge entstehen in den Hauptkammern. Besonders gefährlich ist die Häufigkeit und Nähe aufeinanderfolgender VES, da sie Kammerflimmern und plötzlichen Herztod auslösen können.

Ventrikuläre Tachykardien (VT):
Schnelle ventrikuläre Rhythmen können lebensbedrohlich sein. Sie treten sowohl bei strukturellen Herzerkrankungen als auch bei ansonsten gesunden Hunden (z. B. Dobermann, Boxer) auf.

Kammerflattern und Kammerflimmern:
Die Herzfrequenz liegt über 300 Schlägen/Minute, der Herzmuskel „zittert“, eine normale Pumpfunktion entfällt. Dies sind Vorstufen des Herzstillstands.

Reentry-Tachykardien:
Hier existieren zusätzliche Leitungswege zwischen Vorhöfen und Hauptkammern, die lebensbedrohliche Arrhythmien auslösen können. Diese angeborene Anomalie kann besonders gefährlich sein.


Welche Symptome machen Rhythmusstörungen?

Nicht alle Herzrhythmusstörungen verursachen Symptome. Einzelne Extraschläge oder kurze Tachykardien werden oft nicht bemerkt. Häufig bleiben selbst schwerwiegende Arrhythmien lange unentdeckt, da die Symptome mild oder unspezifisch sind.

Bei allen Rhythmusstörungen wird der Körper unzureichend mit sauerstoffreichem Blut versorgt. Mögliche Symptome sind:

  • Schwäche und Lethargie

  • Leistungsintoleranz

  • extremes Hecheln und Atemnot

  • kurzzeitige Ohnmachtsanfälle (Synkopen)

  • im schlimmsten Fall plötzlicher Herztod


Wie werden Rhythmusstörungen diagnostiziert?

Häufig fällt bereits beim Abhören auf, dass der Herzrhythmus unregelmäßig ist. Bei manchen Herzschlägen kann ein fehlender Puls fühlbar sein.

Liegt keine respiratorische Sinusarrhythmie vor, sollte ein EKG erstellt werden. Das EKG liefert Informationen über Rhythmus, Frequenz, Ursprung der Arrhythmie und Gefährlichkeit. Die Interpretation erfordert Erfahrung, da Rhythmusstörungen nicht dauerhaft auftreten müssen.

Ein 24-Stunden-Holter-EKG bietet eine bessere Übersicht über die Häufigkeit und Schwere der Arrhythmien. Herzultraschall sollte immer Teil der Diagnostik sein, da Herzerkrankungen häufig die Ursache sind.

 

Rhythmusstörungen

Dobermann mit 24-Stunden-EKG

Wann und wie muss man Rhythmusstörungen behandeln?

Behandelt werden sollten Arrhythmien, die Symptome verursachen, die normale Herzarbeit beeinträchtigen oder ein hohes Risiko für plötzlichen Herztod darstellen. Die Gefährlichkeit wird meist durch 24-Stunden-EKG, Anzahl, Frequenz und Morphologie der Arrhythmien bestimmt.

Bradyarrhythmien werden häufig mit einem Herzschrittmacher behandelt, insbesondere wenn sie nicht durch Elektrolytverschiebungen oder Medikamente ausgelöst werden. Die Prognose mit Schrittmacher ist sehr gut.

Tachyarrhythmien werden medikamentös kontrolliert. Die Wahl des Antiarrhythmikums hängt von der Herkunft der Arrhythmie (Vorhof oder Hauptkammer) und individuellen Faktoren ab. Ziel ist es, die Häufigkeit und Gefährlichkeit der Arrhythmien zu reduzieren, nicht alle Arrhythmien zu verhindern.

Eine spezielle Therapieoption ist die Katheterablation, bei der arrhythmieauslösende Stellen verödet werden. Diese Technik ist nur in wenigen Zentren verfügbar und eignet sich besonders bei Arrhythmien ohne zugrunde liegende Herzerkrankung.


Informationen zu den einzelnen Antiarrhythmika

Diltiazem und Verapamil:
Kalziumkanalblocker, eingesetzt bei Tachyarrhythmien aus den Vorhöfen (Vorhofflimmern, Vorhofflattern, supraventrikuläre Extrasystolen und Tachykardien). Sie wirken zusätzlich blutdrucksenkend.

  • Hund: Diltiazem 0,5–2 mg/kg 3× täglich, Verapamil 0,5–1 mg/kg 4× täglich

  • Katze: Diltiazem 1 mg/kg 3× täglich

  • Nebenwirkungen: Hypotonie, Bradyarrhythmien, gastrointestinale Probleme

  • Wechselwirkungen: nicht mit Beta-Blockern kombinieren, Digoxin möglich

Digoxin:
Steigert die Pumpkraft, senkt die Kammerfrequenz, hauptsächlich bei Vorhofflimmern. Therapeutische Breite gering, Blutspiegelkontrolle notwendig.

  • Hund: 0,22 mg/m² 2× täglich

  • Katze: 0,01 mg/kg 1× täglich

  • Nebenwirkungen: Übelkeit, Erbrechen, Bradyarrhythmien, neurologische Störungen bei Überdosierung

Sotalol:
Kaliumkanalblocker mit Beta-Blocker-Wirkung, wirksam bei Vorhof- und Kammerarrhythmien. Langsame Dosiserhöhung bei Pumpschwäche empfohlen.

  • Hund/Katze: 0,5–2 (max. 3) mg/kg 2× täglich

  • Nebenwirkungen: reduzierte Pumpkraft, Hypotonie, Bronchokonstriktion

  • Wechselwirkungen: nicht mit Kalziumkanalblockern

Mexiletin:
Ähnlich wie Lidocain, eingesetzt bei ventrikulären Tachyarrhythmien.

  • Hund: 6–10 mg/kg 3× täglich

  • Nebenwirkungen: gastrointestinale Beschwerden

  • Kombination mit Sotalol oder Beta-Blockern möglich

Amiodaron:
Sehr potentes Antiarrhythmikum, meist Reservemedikament.

  • Hund: 7,5–25 mg/kg (Ladedosis, dann Reduktion über 4 Wochen)

  • Nebenwirkungen: gastrointestinale Beschwerden, Leberschäden, Überempfindlichkeit

  • Wechselwirkungen: viele, besonders mit anderen Antiarrhythmika

Beta-Blocker (z. B. Atenolol):
Verlangsamen Herzfrequenz und Pumpkraft, wirken antiarrhythmisch. Vorsicht bei Herzversagen.

  • Hund: 0,25–1 mg/kg 1–2× täglich

  • Katze: 6,25–12,5 mg/Katze 1–2× täglich

  • Nebenwirkungen: Herzschwäche, Hypotonie, Bronchokonstriktion, Hypoglykämie

Weitere Beta-Blocker: Propranolol, Carvedilol, Metoprolol, Esmolol (Injektion).