All diese Fragen werden immer wieder diskutiert – in Foren, beim Tierarzt, unter Tierärzten etc.

In diesem Artikel widme ich mich der Frage wie oft man impfen sollte.

In der Humanmedizin werden Impfungen oft nur alle 10 Jahre oder gar nicht mehr aufgefrischt, da nach einer Grundimmunisierung der Schutz oft lebenslang gilt. Warum wird also bei Tieren jedes Jahr oder alle 3 Jahre geimpft?

Es gibt einige Punkte die man dabei kritisch in Betracht ziehen muss:
  • Impfstoffe sind große Einnahmequellen für Pharmafirmen.
  • Pharmafirmen führen Studien zur Marktzulassung durch, aber es ist ihnen vielleicht wenig daran gelegen zu zeigen, dass Impfstoffe lebenslang schützen, da sie dadurch weniger verkaufen. Solche Studien sind außerdem teuer.
  • Impfungen sind eine Einnahmequelle für Tierärzte.
  • Impfungen bringen Tiere in die Praxis zum Check-Up, bei dem das Tier gründlich untersucht werden kann und Probleme eventuell früher erkannt werden. Ohne die Impfung kommen viele Besitzer nur zum Tierarzt, wenn es Problem gibt.

Aber:
Institute die Studien durchführen sind in der Regel Universitäten, welche nicht den wirtschaftlichen, sondern den wissenschaftlichen Aspekt im Kopf haben. Es gibt eine Reihe von Studien, die unabhängig von Pharmafirmen durchgeführt wurden und deren Ergebnisse zu den heutigen Impfempfehlungen geführt haben.
Man darf nicht vergessen, dass Routineimpfungen die beste Krankheitsvorsorge für Tiere und Menschen ist und Wissenschaftler nicht leichtfertig oder aus wirtschaftlichen Zwecken Empfehlungen abgeben, sondern im besten Interesse von Mensch und Tier.
Auch in der Humanmedizin gibt es Impfungen die jedes Jahr (z.B. Grippe) oder alle 3 bis 5 Jahre (z.B.Tollwut, FMSE) wiederholt werden.

Betrachten wir doch einmal wie der aktuelle Stand der Forschung ist:

In den letzten 30 Jahren gibt es eine ganze Reihe – unabhängig von Pharmafirmen – durchgeführte Studien und einige neue Erkenntnisse. Forschungsergebnisse zeigen, dass Grundimpfungen wie Parvo und Staupe langjährige Immunität auslösen und der Antikörpertiter eine gute Indikation für den Impfschutz ist. Impfungen gegen das feline Herpesvirus und Calicivirus dagegen schützen nicht zu 100% und haben eine andere Art von Immunität, die nicht primär von Antikörpern ausgeht, weshalb der Titer nicht immer die aktuelle Immunität widerspiegelt. Leptospirose und andere Impfungen gegen bakterielle Erreger (z.B. Borellien, Bordetellen) lösen nur eine kurze Immunität aus und eine jährliche Impfung ist nötig. In manchen Gebieten mit hoher Infektionsgefahr wird sogar 2x im Jahr gegen Leptospirose geimpft, da das Risiko der Krankheit das der Impfung deutlich übersteigt. Was schon lange bekannt ist, dass Seren mit toten Erregern kürzer wirken wie Seren mit abgeschwächten Lebend-Erregern.

Wie sehen die aktuellen Guidelines aus?

Es gibt Richtlinien für Impfungen für Hunde und Katzen. Diese werden von mehreren relevanten Gremien alle paar Jahre neu überarbeitet. Dabei werden alle Forschungsergebnisse in Betracht gezogen. Es wird dabei immer betont, dass die individuelle Situation des jeweiligen Tieres in Betracht gezogen werden muss. Z.B. gibt es in verschiedenen Ländern unterschiedliche Krankheitsausbrüche, es gibt Katzen die nur im Haus leben, oder Hunde die jeden Tag mit anderen Hunden in Kontakt kommen und dadurch ein ganz anderes Risiko haben etc.

Kurz zusammengefasst, wird eine Grundimmunisierung immer im Welpenalter empfohlen. Dabei gibt es unterschiedliche Ansätze. In den Richtlinien von 2016 wird allerdings betont, dass die Booster – Impfung nach einem Jahr durchgeführt wird um diese Tiere zu schützen, die bei der Grundimmunisierung noch maternale Antikörper hatten und die Grundimmunisierung nicht gewirkt hat. Deswegen kann man überlegen, diese Booster – Impfung auch nach einem halben Jahr schon machen, damit das Tier nicht so lange ungeschützt ist. Oder alternativ 4 Wochen nach der letzten Welpen-Impfung den Titer testen.
Für die meisten Core-Impfungen wird sowohl bei Katzen als auch bei Hunden empfohlen nach der Grundimmunisierung alle drei Jahre eine Booster – Impfung durchzuführen. Für Nicht – Core – Vakzine und felines Herpesvirus/ Calicivirus ist meist eine jährliche Impfung empfohlen, je nach Risiko.

Wer sich die genauen Guidelines und den Artikel dazu anschauen will:
Impfrichtlinien für Hunde und Katzen + Artikel  (Englisch)
Empfehlungen für Katzen (Deutsch)
→ Empfehlungen für Hunde (Deutsch)

Macht es Sinn den Titer zu testen?

Es gibt die Möglichkeit den Antikörper – Titer zu testen. Mittlerweile gibt es dazu auch Test die direkt beim Tierarzt durchgeführt werden können.

Vorteil: Ganz klar, man testet und wenn der Titer positiv oder hoch genug ist, erspart man dem Tier die Impfung oder kann bestimmte Impfungen weglassen.

Nachteil: Relativ teuer. Nicht für alle Krankheiten macht es Sinn zu testen. Viele Impfungen sind Kombinationspräparate und es gibt sie nicht als Einzeldosen.

Studien haben gezeigt, dass der Antikörpertiter nicht bei allen Erregern eine gute Aussage darüber ist wie die tatsächliche Immunität ist (Leptospirose, Felines Herpesvirus, Calicivirus (Katzenschnupfen). Es kann sein, dass der Titer negativ ist, die Immunität aber nicht von den Antikörpern, sondern anderen Zellen ausgeht und er Impfschutz trotzdem da ist. Bei Tollwut spielt es eine Rolle ob nur einmal geimpft wurde oder mehrfach ob der Titer aussagekräftig ist oder nicht.

Den Titer zu testen macht Sinn:

  • Bei Welpen 4 Wochen nach der Grundimmunisierung um zu testen ob die Impfung überhaupt eine Immunität ausgelöst hat. Dabei spart man sich eventuell auch gleich die Impfung nach einem Jahr für die Core-Impfungen.
  • Bei Tieren die empfindlich reagieren oder schon einmal eine Impfreaktion hatten.
  • Bei alten Tieren, da diese anfälliger für Krankheiten sind und sie nicht ohne Impfschutz sein sollten. Da man aber nicht unnötig im Alter noch impfen will, kann man die Titer testen und nur dann impfen, wenn diese negativ sind. Die Chancen sind gut, dass man dem Senior die Impfung ersparen kann.
  • Wenn man bereit ist, das Geld für die Tests auszugeben, kann für Core-Vakzine vor jeder Impfung erst mal der Titer getestet werden. Weniger Sinn machen Impfungen gegen bakterielle Erreger. Es ist zwar aufwendiger, aber bestimmte Impfungen können dadurch sicherlich reduziert werden.
Zusammenfassung:

In vielen Praxen wird mit Sicherheit öfter geimpft als nötig. Tierärzte folgen den Empfehlungen der Herstellers um nicht für eventuelle Impfdurchbrüche verantwortlich gemacht zu werden. Es ist aber auch so, dass Infektionskrankheiten bei unseren Hunden und Katzen noch weit verbreitet sind und Impfschutz daher nicht auf die leichte Schulter genommen werden kann. Wichtig ist vor allem jedes Tier individuell zu betrachten. Bekannte Impfreaktionen, Infektionsrisiko und andere Erkrankungen müssen immer mit in Betracht gezogen werden. Die Richtlinien sind kein Gesetz. Wenn jemand für sich entscheidet Core-Vakzine nur alle 5 Jahre zu impfen, so ist dies sein persönliches Recht. Titerbestimmungen werden immer einfacher und günstiger und sind eine gute Möglichkeit Impfungen gegen bestimmte Erreger zu reduzieren.