Hunde und Katzen mit chronischer Niereninsuffizienz sind in der Regel ältere Tiere und können aus verschiedenen Gründen eine Operation und damit eine Narkose benötigen (z. B. Zahnsanierungen, orthopädische Eingriffe oder nach Unfällen).
Narkosen sind bereits für viele Besitzer gesunder Tiere beängstigend – bei CNI-Patienten ist die Sorge um die Fellnasen meist noch deutlich größer. Diese Sorge ist durchaus berechtigt, da Narkosen negative Auswirkungen auf die Nieren haben können, insbesondere wenn kein angepasstes Narkoseprotokoll gewählt wird und keine sorgfältige Überwachung erfolgt.
Was passiert während einer Narkose in der Niere?
Die Nieren übernehmen wichtige Aufgaben im Körper:
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Ausscheidung von Stoffwechselprodukten
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Regulation des Flüssigkeitshaushalts
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Stabilisierung des pH-Wertes
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Bildung von Hormonen (z. B. für die Produktion roter Blutkörperchen)
Diese Funktionen bleiben oft lange erhalten, selbst wenn bereits ein großer Teil des Nierengewebes geschädigt ist.
Eine Narkose kann jedoch ein Auslöser dafür sein, dass sich die Nierenfunktion verschlechtert oder ein akutes Nierenversagen eintritt.
Während einer Operation werden Stresshormone ausgeschüttet, die zu einer verminderten Durchblutung der Nieren führen. Dadurch sinkt die Filtrationsleistung. Auch Schmerzen und Stress verstärken diesen Effekt.
Zusätzlich führt eine Narkose häufig zu:
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reduziertem Herzzeitvolumen
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sinkendem Blutdruck
Beides verschlechtert die Durchblutung der Nieren weiter.
Gesunde Nieren können ihren Blutfluss bis zu einem gewissen Grad selbst regulieren. Bei Patienten mit chronischer Niereninsuffizienz ist diese Fähigkeit jedoch oft eingeschränkt.
Studien zeigen zudem, dass Hypotonie (niedriger Blutdruck) während der Narkose häufig vorkommt und nicht immer ausreichend behandelt wird¹. Gerade bei CNI-Patienten ist daher eine konsequente Blutdrucküberwachung entscheidend.
Mehr Informationen zu Bluthochdruck gibt es in einem separaten Artikel.

Was sind Risikofaktoren bei Narkosen mit chronischer Niereninsuffizienz?
Narkosen bei CNI-Patienten sollten – sofern kein Notfall vorliegt – sorgfältig geplant werden.
Um das Risiko zu minimieren und die Nieren bestmöglich zu schützen, sollten folgende Faktoren vorab berücksichtigt und optimiert werden:
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Dehydratation: Flüssigkeit sollte intravenös ausgeglichen werden, da Austrocknung die Nierendurchblutung verschlechtert
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Übelkeit und Erbrechen: fördern Flüssigkeitsverluste und sollten medikamentös behandelt werden
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Hyperkaliämie (erhöhtes Kalium): kann während der Narkose zu gefährlichen Herzrhythmusstörungen führen
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Metabolische Azidose: verstärkt häufig eine Hyperkaliämie und sollte korrigiert werden
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Anämie: bei stark erniedrigtem Hämatokrit (< 20 %) und geplanten Eingriffen ggf. Transfusion erwägen
| In meinem praktischen Handbuch gibt es alle Informationen zur
Niereninsuffizienz bei der Katze auf einen Blick: |
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Wie sieht eine gute Narkosevorbereitung aus?
Eine optimale Vorbereitung ist entscheidend, um das Risiko zu reduzieren.
Neben der Stabilisierung des Allgemeinzustands sollte besonderer Wert auf einen stressarmen Umgang gelegt werden. Schmerzen sollten frühzeitig erkannt und behandelt werden.
Wichtige Maßnahmen vor der Narkose:
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Blutdruckmessung im wachen Zustand (häufig liegt ein Bluthochdruck vor)
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ausreichende Flüssigkeitsversorgung
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ggf. Sauerstoffgabe vor der Einleitung (Präoxygenierung)
Was ist während der Narkose bei CNI zu beachten?
Eine moderne Narkoseüberwachung (Monitoring) ist bei Nierenpatienten besonders wichtig.
Kontrolliert werden sollten:
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Blutdruck
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Herzfrequenz
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Atmung
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Sauerstoffsättigung
Eine Beurteilung des Blutdrucks allein über die Pulsqualität ist ungenau und nicht ausreichend¹.
Bei Problemen mit dem Kaliumspiegel kann zusätzlich ein EKG sinnvoll sein, um Herzrhythmusstörungen frühzeitig zu erkennen.
Das wichtigste Ziel während der Narkose ist:
👉 stabile Kreislaufverhältnisse und ausreichende Organperfusion
Bei Bedarf können Medikamente eingesetzt werden, um den Blutdruck zu stabilisieren.
In Einzelfällen kann auch der Einsatz von Diuretika (z. B. Mannitol) sinnvoll sein, um die Nierendurchblutung zu unterstützen.
Wie sollte die Narkose bei chronischer Niereninsuffizienz gewählt werden?
Ein einheitliches Narkoseprotokoll für CNI-Patienten gibt es nicht. Die Auswahl der Medikamente muss immer individuell erfolgen.
Sie hängt ab von:
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Stadium der Nierenerkrankung
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Begleiterkrankungen
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Art des Eingriffs
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Erfahrung des Tierarztes
Grundsätzlich gilt:
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Medikamente mit starkem Einfluss auf das Herz-Kreislauf-System sollten möglichst vermieden werden
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Reine Injektionsnarkosen sind weniger gut steuerbar und daher meist nicht ideal
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Opioide sind gut geeignet, da sie das Kreislaufsystem kaum belasten
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Einleitung bevorzugt mit Propofol oder Alfaxalon
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Aufrechterhaltung mittels Inhalationsnarkose (Isofluran/Sevofluran)
Zusätzlich sollten – wenn möglich – Lokalanästhesie und multimodale Schmerztherapie eingesetzt werden, um die benötigte Narkosetiefe zu reduzieren.
Zusammenfassung
Eine Narkose bei Hunden und Katzen mit chronischer Niereninsuffizienz ist grundsätzlich möglich, ohne die Nieren weiter zu schädigen – vorausgesetzt, sie wird sorgfältig geplant und überwacht.
Dennoch stellt jeder Eingriff eine Belastung für den Organismus dar, und die individuellen Auswirkungen lassen sich nicht immer vollständig vorhersagen.
Daher gilt:
👉 Narkosen bei CNI-Patienten sollten niemals leichtfertig durchgeführt werden, sind aber bei guter Vorbereitung und Überwachung in vielen Fällen sicher möglich.
Quellenangaben:
- Anesthesia-related hypotension in a small-animal practice. Gordon AM, Wagner AE. Vet MEd. 2006; 101(1):22-26.
- Anesthetic Risks and Management of Patients with Chronic Renal Failure S. Robertson. World Small Animal Veterinary Association World Congress Proceedings, 2015.





