Wenn ein Tier sowohl an Herzversagen also auch an Nierenversagen leidet, wird die Therapie schwierig und die Prognose sehr vorsichtig. Grundsätzlich sehen die Behandlungen nämlich genau gegensätzlich aus. Die Nieren brauchen Flüssigkeit, das Herz Entwässerung.

In welchem Zusammenhang stehen Nierenversagen und Herzversagen?

Beide Organe sind verantwortlich und abhängig vom Kreislauf und Blutdruck.

  1. Wird Herzversagen mit Entwässerungsmedikamenten und anderen Mittel behandelt, so konnte in Studien bei über 50% der betroffenen Hunde und Katzen eine Erhöhung der Nierenwerte (Kreatinin, Harnstoff) und eine Reduktion der glomerulären Filtrationsrate (GFR) festgestellt werden. Je weiter fortgeschritten das Herzproblem, desto häufiger und gravierender waren die Nierenwerte verändert. Medikamente spielen hierbei sicherlich eine Rolle (Entwässerung, ACE-Hemmer), das genaue Zusammenspiel zwischen Herzversagen und Schäden an der Nieren ist jedoch noch nicht geklärt. Zudem überleben Herzpatienten durch verbesserte Therapien immer länger, was die Chance zusätzlich an einer chronischen Niereninsuffizienz zu erkranken erhöht.
  2. Anders herum kommt es bei Nierenversagen zu Elektrolytverschiebungen, welche zu Rhythmusstörungen führen können. Medikamente die vorwiegend über die Niere ausgeschieden werden (Enalapril, Digoxin, Atenolol), werden evtl. zu wenig eliminiert, können toxische Dosen erreichen und dadurch das Herz schädigen. Störungen im Flüssigkeitshaushalt haben ebenfalls Auswirkungen auf das Herz. Hohe Infusionsraten können zu Überladung des Herzens und Ödemen (z.B. Wasser in der Lunge) führen. Der häufig bei Nierenpatienten vorhandene Bluthochdruck, kann unbehandelt eine Verdickung des Herzmuskels bedingen.

Grundsätzlich führ ein Niernversagen aber nicht zum Herzversagen und ein Herzversagen nicht zum Nierenversagen, wenn die Organe vorher gesund sind. Problematisch wird es vor allem dann, wenn beide Krankheiten unabhänig voneinander vorhanden sind, da in diesen Fällen die Therapie der einen Krankheit die andere verschlimmern kann.

Beispiel: Der Kater Manu leidet an chronischer Niereninsuffizienz (CNI). Zusätzlich hat er eine genetisch bedingte Hypertrophe Kardiomyopathie (HCM). Die HCM ist gut kompensiert und Manu bekommt noch keine Entwässerungsmedikamente. Die CNI ist dagegen weiter fortgeschritten und da es ihm akut schlecht geht, braucht er Infusionen. Die Infusionen tun ihm gut, allerdings kommt das Herz mit dem hohen Flüssigkeitsvolumen nicht klar und es sammelt sich Wasser in der Lunge. Die Infusionen müssen deshalb sofort gestoppt und Entwässerungsmedikamente gestartet werden…..

–> Mit vorsichtigen und langsamen Infusionen kann man das Herz schonen, allerdings wird es dadurch auch schwieriger die Nieren wieder zu stabilisieren !

Nierenversagen und Herzversagen - weißer Pudel wird abgehört

Welche Therapie bei Herzversagen?

Im kongestiven Herzversagen (wenn sich Wasser in Lunge, Brust – oder Bauchraum befindet), ist eine Entwässerung überlebenswichtig. Dafür werden im akuten Stadium z.T. extrem hohe Dosen an Entwässerung (v.a. Furosemid) eingesetzt. Zusätzlich wird mit Pimobendan (Unterstützung der Herztätigkeit) und ACE-Hemmer (Unterstützung des Kreislaufs) therapiert. Eventuell sind noch weitere Medikamente nötig (z.B. Antiarrhythmika, Kalium, Spironolacton, Blutverdünner). Die Fütterung ist idealerweise salzarm, aber protein– und kalorienreich, da Herzpatienten in fortgeschrittenem Krankheitsstadium oft an Muskelmasse und Gewicht verlieren. Mehr zu den entsprechenden Herzmedikamenten jeweils im Artikel für Katzen oder Hunde.

Welche Therapie bei Nierenversagen?

Bei Nierenversagen ist es wichtig den Körper mit Flüssigkeit zu versorgen, da Symptome häufig durch Dehydratation und eine zu hohe Konzentration harnpflichtiger Stoffen im Körper verursacht werden. Mittels Infusion wird versucht den Körper zu rehydrieren und die giftigen Abfallprodukte des Proteinstoffwechsels vermehrt auszuschwemmen. Zusätzlich kommen diverse Medikamente zum Ausgleich von metabolischer Azidose (niedriger Blut-pH), Phosphatbinder, Blutdrucksenker (Amlodipin, ACE-Hemmer), Kalium, Magenschutz, ACE-Hemmer (Proteinurie) und evtl. Stoffe zur Stimulation der Blutbildung (EPO) zum Einsatz. Die Fütterung – äußerst wichtig in der Langzeittherapie – sollte salzarm, phosphatarm und vor allem proteinreduziert sein.

 

Nierenversagen und Herzversagen - Katze an der Infusion

Wie therapiert man Nierenversagen und Herzversagen?

Hat ein Hund oder eine Katze das Pech sowohl an Herzversagen als auch an Nierenversagen zu leiden, so ist die Therapie äußerst schwierig. Der kritische Punkt ist Flüssigkeitszufuhr versus Entwässerung. Zusätzlich müssen Aspekte wie proteinreiche vs. proteinarme Fütterung, der Einsatz von ACE-Hemmern und die Dosierung bestimmter Medikamente beachtet werden. Die Richtlinien für die Therapie eines sogenannten Cardiorenalen-Syndroms (CRS) basieren nur auf Theorien und Expertenmeinungen, da Studien dazu fehlen:

Richtlinien:

  • Behandlung der primären Ursache der klinischen Symptome – bei möglichst minimalen Auswirkungen auf das jeweils andere Organ (Beispiele: Bei Atemnot und Husten durch ein Lungenödem muss entwässert werden, da die Symptome primär vom Herz kommen – bei Erbrechen und Dehydratation muss infundiert werden, da die Symptome von der Niere kommen)
  • Infusionstherapie intravenös oder unter die Haut (natriumarm) oder mittels Sonde ganz ohne Natrium
  • So wenig Entwässerungsmedikamente wie möglich
  • Alle Medikamente langsam anpassen und die Auswirkungen häufig kontrollieren (3-5 Tage nach Anpassung)
  • Blutdrucksenker wenn Blutdruck > 160 mmHg
  • Fütterung salzarm und phosphatarm – Protein je nach Ernährungszustand auf den Patient individuell angepasst (wenn hoher Gewichtsverlust eher mehr Protein, wenn Nieren kritischer weniger Protein)
  • Symptomatische Therapie optimieren: Magenschutz, EPO, Phosphatbinder, Bikarbonat gegen metabolische Azidose
  • Herzmedikamente die primär über die Niere ausgeschieden werden, brauchen eventuell Dosisreduktion (Atenolol, Digoxin, Enalapril)

Wenn Nierenversagen und Herzversagen zusammenkommen, ist es wichtig, dass sich der behandelnde Tierarzt sehr gut mit beiden Krankheiten auskennt, oder Spezialisten für beide Krankheiten vor Ort sind. Ein stationärer Aufenthalt in akuten Situationen ist zu empfehlen, da dabei die Überwachung und Anpassung der Therapien optimiert werden kann. Zudem kann es hilfreich sein einen Ernährungsexperten zu konsultieren.

Maßnahmen zur Kontrolle:

  • Bei Infusionen: Auf respiratorische Symptome achten (Husten, Atemnot). Ein sehr gutes Mittel dafür ist die Ruheatemfrequenz zu zählen. Diese sollte unter 40 Atemzüge pro Minute sein. Steigt sie an, so ist dies ein Zeichen für Flüssigkeitsansammlungen in der Lunge. Eine Zunahme an Gewicht deutet ebenfalls auf Flüssigkeitsansammlungen hin.
  • Bei Diurese: Urinproduktion und Nierenwerte beobachten

 

Zukunftsaussichten: CRRT – Dauerhafte Nierenersatztherapie

Das CRRT – Verfahren zur Dialyse ist eine vielversprechende Möglichkeit beide Krankheiten gleichzeitig zu therapieren. Dabei wird das Blut über einen Zugang an der Halsvene aus und in den Körper geleitet. In der Maschine werden über verschiedene Filter harnpflichtige Stoffe herausgefiltert und zusätzlich Elektrolyte und Flüssigkeitshaushalt ausgeglichen. Zurzeit wird dieses Verfahren hauptsächlich zur Therapie von akutem Nierenversagen angewendet. Bei einer Herzinsuffizienz kann dem Blut Flüssigkeit entzogen, und so die Entwässerung ohne Medikamente vorgenommen werden. Beim Menschen wird dies bereits angewendet, wenn der Herzpatient nicht mehr genügend auf Entwässerungsmedikamente anspricht. Leider ist diese Therapie noch nicht ausreichend beim Tier mit Herzversagen getestet. Zudem stehen die Geräte in nur sehr wenigen Zentren in Europa zur Verfügung und sind mit extrem hohen Kosten verbunden.