Herzversagen und Nierenversagen gleichzeitig bei Hund und Katze

Wenn ein Tier gleichzeitig an Herzversagen und Nierenversagen leidet, ist die Therapie besonders schwierig und die Prognose vorsichtig zu stellen. Der Grund: Die Behandlungsansätze widersprechen sich häufig.
Während die Nieren Flüssigkeit benötigen, braucht das Herz meist eine Entwässerung.


In welchem Zusammenhang stehen Nierenversagen und Herzversagen?

Herz und Nieren sind beide eng vom Kreislauf und Blutdruck abhängig und beeinflussen sich gegenseitig.

Wird ein Herzversagen mit Entwässerungsmedikamenten und anderen Herzmedikamenten behandelt, zeigen Studien, dass bei über 50 % der betroffenen Hunde und Katzen eine Verschlechterung der Nierenwerte (Kreatinin, Harnstoff) sowie eine Reduktion der glomerulären Filtrationsrate (GFR) auftritt.
Je weiter das Herzleiden fortgeschritten ist, desto häufiger und ausgeprägter sind diese Veränderungen.

Medikamente spielen dabei eine wichtige Rolle (z. B. Diuretika, ACE-Hemmer). Das genaue Zusammenspiel zwischen Herzversagen und Nierenschädigung ist jedoch noch nicht vollständig geklärt. Zudem überleben Herzpatienten dank moderner Therapien heute deutlich länger – dadurch steigt das Risiko, zusätzlich eine chronische Niereninsuffizienz (CNI) zu entwickeln.

Umgekehrt kann ein Nierenversagen zu Elektrolytverschiebungen führen, die Herzrhythmusstörungen verursachen. Medikamente, die überwiegend über die Niere ausgeschieden werden (z. B. Enalapril, Digoxin, Atenolol), können sich bei eingeschränkter Nierenfunktion anreichern, toxische Spiegel erreichen und das Herz schädigen.

Auch Störungen des Flüssigkeitshaushalts wirken sich negativ auf das Herz aus:
Zu hohe Infusionsraten können eine Volumenüberlastung, Ödeme oder sogar Wasser in der Lunge (Lungenödem) verursachen. Zusätzlich kann der bei Nierenpatienten häufige Bluthochdruck unbehandelt zu einer Verdickung des Herzmuskels führen.

Grundsätzlich führt ein isoliertes Nierenversagen nicht automatisch zu einem Herzversagen – und umgekehrt ebenfalls nicht, wenn die Organe zuvor gesund waren. Problematisch wird es vor allem dann, wenn beide Erkrankungen unabhängig voneinander bestehen, da die Therapie der einen Erkrankung die andere verschlechtern kann.


Beispiel aus der Praxis

Der Kater Manu leidet an einer chronischen Niereninsuffizienz (CNI). Zusätzlich hat er eine genetisch bedingte hypertrophe Kardiomyopathie (HCM).
Die HCM ist gut kompensiert, sodass Manu noch keine Entwässerungsmedikamente benötigt. Die CNI ist jedoch weiter fortgeschritten, und aufgrund einer akuten Verschlechterung benötigt er Infusionen.

Die Infusionen verbessern zunächst seinen Zustand, doch das Herz kommt mit dem hohen Flüssigkeitsvolumen nicht zurecht. Es sammelt sich Flüssigkeit in der Lunge, und Manu entwickelt Atemnot.
Die Infusionen müssen sofort gestoppt und Entwässerungsmedikamente begonnen werden.

➡️ Vorsichtige, langsame Infusionen können das Herz zwar schonen, erschweren jedoch gleichzeitig die Stabilisierung der Nierenfunktion.

 

Nierenversagen und Herzversagen - Katze an der Infusion

Welche Therapie bei Herzversagen?

Beim kongestiven Herzversagen (Flüssigkeit in Lunge, Brust- oder Bauchraum) ist eine Entwässerung lebenswichtig.

Im akuten Stadium werden teilweise sehr hohe Dosen von Diuretika (v. a. Furosemid) eingesetzt.

Zusätzlich kommen zum Einsatz:

  • Pimobendan (Verbesserung der Herzkraft)

  • ACE-Hemmer (Unterstützung des Kreislaufs)

  • ggf. weitere Medikam

  • ente wie Antiarrhythmika, Kalium, Spironolacton oder Blutverdünner

Die Fütterung sollte möglichst salzarm, aber protein- und kalorienreich sein, da Herzpatienten im fortgeschrittenen Stadium häufig Muskelmasse und Gewicht verlieren.


Welche Therapie bei Nierenversagen?

Bei Nierenversagen ist die Flüssigkeitszufuhr zentral, da viele Symptome durch Dehydratation und eine erhöhte Konzentration harnpflichtiger Substanzen entstehen.

Ziel der Infusionstherapie ist es:

  • den Körper zu rehydrieren

  • giftige

  • Stoffwechselprodukte vermehrt auszuschwemmen

Zusätzlich kommen – je nach Patient – zum Einsatz:

  • Medikamente gegen metabolische Azidose

  • Phosphatbinder

  • Blutdrucksenker (z. B. Amlodipin, ACE-Hemmer)

  • Kalium

  • Magenschutz

  • ACE-Hemmer bei Proteinurie

  • ggf. Erythropoetin (EPO) zur Blutbildungsstimulation

Die Ernährung ist ein zentraler Bestandteil der Langzeittherapie und sollte salzarm, phosphatarm und proteinreduziert sein.


Wie therapiert man Herz- und Nierenversagen gleichzeitig?

Leidet ein Hund oder eine Katze an beiden Erkrankungen, spricht man häufig vom cardiorenalen Syndrom (CRS). Die Therapie ist äußerst anspruchsvoll.

Der größte Konflikt besteht zwischen:

  • Flüssigkeitszufuhr vs. Entwässerung

  • proteinreicher vs. proteinarmer Ernährung

  • sorgfältiger Dosierung herz- und nierenwirksamer Medikamente

Da belastbare Studien fehlen, beruhen die Therapieempfehlungen vor allem auf Expertenmeinungen.

Therapie-Richtlinien bei CRS:

  • Behandlung der primären Ursache der Symptome mit möglichst geringer Belastung des anderen Organs

  • Natriumarme Infusionen (i. v., s. c. oder über Sonde)

  • So wenig Diuretika wie möglich

  • Langsame Dosisanpassungen mit Kontrolle nach 3–5 Tagen

  • Blutdrucksenkung bei > 160 mmHg

  • Fütterung: salz- und phosphatarm, Protein individuell angepasst

  • Optimierte symptomatische Therapie (Magenschutz, EPO, Phosphatbinder, Bikarbonat)

  • Dosisanpassung von Medikamenten mit renaler Ausscheidung (Atenolol, Digoxin, Enalapril)

Eine enge Zusammenarbeit mit erfahrenen Tierärzten oder Spezialisten ist essenziell. In akuten Situationen ist ein stationärer Aufenthalt dringend zu empfehlen. Auch eine ernährungsmedizinische Beratung kann sehr hilfreich sein.


Maßnahmen zur Kontrolle

Bei Infusionen:

  • Beobachtung von Husten und Atemnot

  • Kontrolle der Ruheatemfrequenz (unter 40 Atemzüge/Minute)

  • Gewichtszunahme als Hinweis auf Flüssigkeitseinlagerung

Bei Entwässerung:

  • Überwachung der Urinproduktion

  • Regelmäßige Kontrolle der Nierenwerte

 

 

Zukunftsaussichten: CRRT – kontinuierliche Nierenersatztherapie

Die CRRT-Dialyse ist ein vielversprechender Ansatz zur gleichzeitigen Behandlung von Herz- und Nierenversagen.
Dabei wird Blut über einen Katheter an der Halsvene aus dem Körper geleitet, gefiltert und wieder zurückgeführt. Giftstoffe, Elektrolyte und überschüssige Flüssigkeit können gezielt entfernt werden.

Beim Menschen wird dieses Verfahren bereits erfolgreich eingesetzt, insbesondere bei Herzpatienten mit unzureichendem Ansprechen auf Diuretika. In der Tiermedizin ist die Anwendung bei Herzpatienten jedoch noch nicht ausreichend untersucht. Zudem stehen entsprechende Geräte nur in wenigen spezialisierten Zentren zur Verfügung und sind mit sehr hohen Kosten verbunden.

In meinem praktischen Handbuch gibt es alle Informationen zur

Niereninsuffizienz bei der Katze auf einen Blick:

Niereninsuffizienze Katze

 


Referenzen

Clinical and instrumental features of cardiorenal syndrome in cats with hypertrophic cardiomyopathy. Byakhova V.M.1Petrukhina O.A.1Notina E.A.1Bykova I.A.1

https://www.iris-kidney.com/diets-for-cats-with-chronic-kidney-disease-ckd