Synkopen beim Hund

Synkopen sind definiert als kurzer Verlust des Bewusstseins durch eine Unterversorgung des Gehirns mit Sauerstoff. Zu unterscheiden sind sie vor allem von epileptischen Anfällen, aber auch von Anfällen durch eine ganze Reihe anderer Erkrankungen wie z. B. Schilddrüsenunterfunktion, Diabetes oder Tumoren.


Welche Ursachen gibt es für Synkopen

Synkopen beim Hund können durch Herzrhythmusstörungen (Arrhythmien), durch strukturelle Herzerkrankungen oder durch Reflexe des Nervensystems auf bestimmte Reize ausgelöst werden.

Zu einer kurzzeitigen Sauerstoffunterversorgung des Gehirns kommt es dann, wenn nicht genügend sauerstoffreiches Blut vom Herzen ausgeworfen wird – in manchen Fällen auch kombiniert mit einem zu niedrigen Blutdruck.


Arrhythmiebedingte Synkopen

Sowohl zu langsame Herzfrequenzen (Bradyarrhythmien) als auch zu schnelle Herzfrequenzen und Rhythmusstörungen (Tachyarrhythmien) können beim Hund zu Synkopen führen.

Das Prinzip ist dasselbe: Es wird nicht genügend Blut aus dem Herzen in den Körper gepumpt, sodass zu wenig Sauerstoff im Gehirn ankommt.

Bei Bradyarrhythmien pumpt der Herzmuskel zwar meist normal, jedoch entweder so langsam, dass die Menge an Blut bei Anstrengung nicht ausreicht, oder der Herzmuskel macht längere Pausen. Dauert eine solche Pause etwa sechs Sekunden oder länger, verliert das Tier das Bewusstsein.

Bei Tachyarrhythmien pumpt der Herzmuskel dagegen so schnell, dass sich das Herz zwischen den Schlägen kaum noch mit Blut füllen kann. Die Pumpaktivität wird dadurch ineffektiv und es gelangt ebenfalls zu wenig Blut ins Gehirn.

Hört die Tachyarrhythmie nicht auf und entwickelt sich weiter zu Kammerflimmern, kann es sogar zum plötzlichen Herztod kommen. Mehr zu den entsprechenden Arrhythmien finden Sie im separaten Artikel.


Neurogene oder vasovagale Synkopen

Von neurogenen oder vasovagalen Synkopen spricht man, wenn das Nervensystem auf bestimmte Reize übertrieben reagiert und dadurch eine Ohnmacht auslöst.

Dies kommt z. B. bei Hunden mit Klappenerkrankungen relativ häufig vor. Bestimmte Rezeptoren im Herzmuskel werden gereizt und das Nervensystem reagiert mit einer starken Weitstellung der Blutgefäße sowie einer Verlangsamung der Herzfrequenz.

Das Blut „versackt“ kurzfristig im Körper, wodurch das Gehirn nicht ausreichend versorgt wird und der Hund umkippt. Nach wenigen Sekunden reguliert sich das Nervensystem wieder und der Hund kommt schnell zu Bewusstsein.

Diese Synkopen sind zwar weniger gefährlich im Hinblick auf den plötzlichen Herztod, stellen jedoch eine große Belastung für den Besitzer dar und sind häufig mit einer schlechteren Prognose der Grunderkrankung verbunden. Eine spezifische Therapie gibt es allerdings nicht.


Strukturelle Herzerkrankungen

Herzerkrankungen wie Aortenstenosen oder Pulmonalstenosen können den Blutfluss mehr oder weniger stark einengen. Bei körperlicher Anstrengung kann es daher passieren, dass durch die verengte Öffnung (Stenose) nicht genügend Blut durch das Herz gepumpt wird, was zu einer Synkope führen kann.

Zusätzlich kommt es bei vielen Herzerkrankungen zu Umbauvorgängen im Herzmuskel, die wiederum Herzrhythmusstörungen begünstigen können.

Auch neurogene Synkopen sind möglich, da sich der Druck in den Herzkammern erhöht und dadurch bestimmte Rezeptoren im Herzen gereizt werden.

In manchen Fällen kann es außerdem passieren, dass sauerstoffarmes Blut in den Körperkreislauf gelangt, was ebenfalls zu einer kurzzeitigen Unterversorgung des Gehirns führt.

Auch ein erhöhter Lungendruck (pulmonale Hypertonie) – beispielsweise durch angeborene Herzfehler, chronisches Linksherzversagen oder Lungenerkrankungen – kann Synkopen auslösen. Meist handelt es sich hierbei um Reflexsynkopen.


Wie sieht eine Synkope aus

Eine Synkope tritt meist ohne vorherige Warnzeichen auf. Der Hund ist beispielsweise beim Spielen oder Spazierengehen und fällt plötzlich um. Einige Sekunden später ist er wieder bei Bewusstsein und läuft weiter.

In manchen Situationen kann eine Synkope auch durch bestimmte Trigger ausgelöst werden, zum Beispiel:

  • Husten

  • starke Aufregung

  • große Freude

Im Vergleich zu epileptischen Anfällen kommt es bei einer Synkope nur selten zu Krampfanfällen mit Urin- oder Kotabsatz. Die Dauer der Episode ist sehr kurz und die Tiere erholen sich meist sehr schnell.

Besitzer beschreiben die Situation häufig so:
„Er schüttelt sich einmal und läuft dann weiter, als wäre nichts gewesen.“

Trotzdem kann die Erholung manchmal etwas länger dauern und gelegentlich treten auch Krampfbewegungen auf. Umgekehrt ist jedoch auch nicht jeder epileptische Anfall mit Krämpfen oder längerer Bewusstlosigkeit verbunden, was die Unterscheidung anhand der Symptome manchmal schwierig macht.

Hier ein Link zu einem Video auf YouTube mit einer Reflexsynkope.


Wie sollte man weiter vorgehen

Ohnmachtsanfälle beim Hund müssen immer ernst genommen und weiter abgeklärt werden, da bei Synkopen grundsätzlich die Gefahr eines plötzlichen Herztodes besteht.

Ein Video der Episode kann für den Tierarzt sehr hilfreich sein, ist jedoch nur selten verfügbar. Häufig besteht die Schwierigkeit darin, dass der Hund bei der Untersuchung völlig unauffällig ist.

Zunächst ist daher eine ausführliche Anamnese wichtig. Alter, Rasse, Begleitsymptome und eine möglichst genaue Beschreibung der Episode können bereits wertvolle Hinweise liefern.

Anschließend erfolgt eine gründliche klinische Untersuchung. Mithilfe von Blutuntersuchungen können einige nicht-kardiale Ursachen ausgeschlossen werden, beispielsweise:

  • Diabetes

  • Schilddrüsenerkrankungen

  • Veränderungen im Blutbild

Auch eine Blutdruckmessung sollte immer durchgeführt werden.

Wenn andere Ursachen ausgeschlossen werden können oder der Verdacht auf eine Herzerkrankung besteht, folgen weitere Untersuchungen:

  • Herzultraschall

  • Röntgenaufnahme des Brustkorbs

  • EKG

Besteht der Verdacht auf Herzrhythmusstörungen, ist häufig ein 24-Stunden-EKG (Holter-EKG) notwendig.

In manchen Fällen kann auch ein Event-Recorder sinnvoll sein. Dieses Gerät bleibt über längere Zeit am Tier und zeichnet den Herzrhythmus auf, wenn eine Synkope auftritt.

Die Ursachenfindung bei Synkopen kann schwierig sein und sollte daher von einem erfahrenen Tierarzt oder Kardiologen durchgeführt werden.

Synkopen

Therapiemöglichkeiten

Die Therapie hängt selbstverständlich von der Ursache der Synkope ab.

Bei Tachyarrhythmien kommen häufig Antiarrhythmika zum Einsatz.
Bei Bradyarrhythmien kann ein Herzschrittmacher notwendig sein.

Mehr zu diesem Thema finden Sie im Artikel über Arrhythmien beim Hund.

Da vasovagale Synkopen durch Antiarrhythmika sogar verschlimmert werden können, sollte eine solche Therapie nicht leichtfertig begonnen werden.

Liegt eine Herzerkrankung zugrunde, wird diese in der Regel zunächst behandelt. Reflexsynkopen lassen sich jedoch häufig nur schwer kontrollieren, weshalb die Therapie individuell angepasst werden muss.

Herzschrittmacher können in manchen – aber nicht in allen – Fällen von neurogenen Synkopen hilfreich sein.

Bei erhöhtem Lungendruck kann eine Behandlung mit Sildenafil sinnvoll sein.

Einige Hunde mit Mitralklappenendokardiose zeigen ebenfalls Synkopen. Eine mögliche Erklärung ist, dass der Herzmuskel sehr stark pumpt und dadurch einen Reflex auslöst. Auch Arrhythmien könnten eine Rolle spielen.

Meiner Erfahrung nach kann es bei diesen Patienten hilfreich sein, die Dosis von Pimobendan leicht zu reduzieren.


Prognose

Bei Hunden mit strukturellen Herzerkrankungen – insbesondere wenn Arrhythmien vorliegen – ist das Auftreten von Synkopen generell mit einer schlechteren Prognose verbunden, selbst wenn eine Therapie eingeleitet wird.

Wenn keine erkennbare Ursache wie eine Herzerkrankung oder Arrhythmie gefunden wird, ist die Prognose in der Regel gut.

Allerdings lassen sich die Symptome nicht in jedem Fall vollständig kontrollieren.


Was ist der plötzliche Herztod?

Wenn eine Synkope nicht nach wenigen Sekunden endet und der Hund das Bewusstsein nicht wiedererlangt, kann es zum plötzlichen Herztod kommen.

Meist stecken schwere Herzrhythmusstörungen dahinter, die in Kammerflimmern übergehen und schließlich zu einem Herzstillstand führen.

Die einzige Möglichkeit, einen solchen Zustand zu beenden, wäre ein Defibrillationsschock, was außerhalb einer Klinik in der Praxis jedoch kaum möglich ist.

Bestimmte Hunderassen wie der Dobermann entwickeln besonders häufig gefährliche Arrhythmien, ohne vorher Symptome zu zeigen. Deshalb tritt bei dieser Rasse der plötzliche Herztod relativ häufig auf.


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