Neue Hoffnung bei Herzinsuffizienz?

Herzerkrankungen und Herzinsuffizienz zählen zu den häufigsten chronischen Erkrankungen beim Hund. Besonders ältere Hunde sind betroffen. Die Standardtherapie besteht aus Medikamenten wie Pimobendan, Diuretika und ACE-Hemmern – und diese bleiben auch weiterhin unverzichtbar.

Doch die tiermedizinische Forschung entwickelt sich weiter. In den letzten Jahren rückt eine neue Medikamentengruppe zunehmend in den Fokus: die SGLT2-Inhibitoren. Sie gelten in der Humanmedizin bereits als Meilenstein in der Behandlung der Herzinsuffizienz.

Aber was bedeutet das für Hunde?


Was sind SGLT2-Inhibitoren?

SGLT2-Inhibitoren sind Medikamente, die ursprünglich zur Behandlung von Diabetes mellitus beim Menschen entwickelt wurden. Zu den bekanntesten Wirkstoffen zählen:

  • Dapagliflozin

  • Empagliflozin

Im Verlauf großer Studien zeigte sich, dass diese Medikamente nicht nur den Blutzucker senken, sondern auch das Risiko für Herzversagen und Krankenhausaufenthalte deutlich reduzieren – selbst bei Menschen ohne Diabetes.

Diese Erkenntnisse haben das Interesse der Veterinärmedizin und Tierkardiologie geweckt.


Wie könnten SGLT2-Inhibitoren bei Herzinsuffizienz helfen?

SGLT2-Inhibitoren wirken hauptsächlich über die Nieren, beeinflussen aber mehrere Prozesse, die für Hunde mit Herzinsuffizienz relevant sind:

  • sanfte Ausscheidung von überschüssigem Salz und Wasser

  • Entlastung von Herz und Nieren

  • Verbesserung des Energiestoffwechsels der Herzmuskelzellen

  • positive Wirkung auf die Herz-Nieren-Achse, die bei Herzkranken eine zentrale Rolle spielt

Diese Effekte unterscheiden sich von klassischen Entwässerungsmitteln und machen die Substanzen besonders interessant.


Aktueller Stand der Forschung: SGLT2-Inhibitoren beim Hund

✅ Was bisher bekannt ist

  • Hunde können bestimmte SGLT2-Inhibitoren verstoffwechseln und tolerieren

  • Die Wirkstoffe zeigen beim Hund die erwartete Wirkung (Ausscheidung von Glukose über den Urin)

  • Dapagliflozin gilt derzeit als der vielversprechendste Kandidat für weitere Studien

  • Kurzfristige Anwendungen wurden in kleinen Studien meist gut vertragen

⚠️ Was noch ungeklärt ist

  • Es fehlen große, kontrollierte klinische Studien zur Wirksamkeit bei Hunden mit Herzinsuffizienz

  • Langzeitsicherheit und optimale Dosierung sind noch nicht festgelegt

  • Die Medikamente sind nicht für die Behandlung von Herzerkrankungen beim Hund zugelassen

➡️ Aktuell handelt es sich also um experimentelle Therapieansätze.


Werden SGLT2-Inhibitoren bereits beim Hund eingesetzt?

In Einzelfällen ja – jedoch off-label und ausschließlich unter enger Kontrolle durch spezialisierte Tierärzt:innen oder Tierkardiolog:innen.

Ein Einsatz kann erwogen werden:

  • bei fortgeschrittener Herzinsuffizienz

  • wenn Standardtherapien nicht ausreichend wirken

  • im Rahmen von Studien oder individuellen Therapieversuchen

⚠️ Wichtig: SGLT2-Inhibitoren sind kein Ersatz für bewährte Herzmedikamente und dürfen niemals ohne tierärztliche Beratung gegeben werden.


Was sollten Hundehalter:innen wissen?

Zusammengefasst:

  • SGLT2-Inhibitoren sind ein vielversprechendes Forschungsfeld in der Tiermedizin

  • Derzeit gelten sie als experimentell beim Hund

  • Bewährte Herzmedikamente bleiben der Goldstandard

  • Zukünftig könnten sie eine wertvolle Ergänzung der Herztherapie darstellen

Wenn Ihr Hund an einer Herzerkrankung leidet, sprechen Sie mit Ihrer Tierärztin oder Ihrem Tierarzt über aktuelle und sichere Therapieoptionen.


Fazit: Zukunft der Herztherapie beim Hund

Die moderne Tiermedizin profitiert zunehmend von Erkenntnissen aus der Humanmedizin. SGLT2-Inhibitoren gehören aktuell zu den spannendsten neuen Ansätzen in der Forschung zur Herzinsuffizienz beim Hund.

Auch wenn sie heute noch keine Standardtherapie sind, geben sie berechtigte Hoffnung auf bessere Behandlungsmöglichkeiten in der Zukunft.


Referenzen:

Sodium glucose transporter 2 inhibitors: Will these drugs benefit non-diabetic veterinary patients with cardiac and kidney diseases? Jonathan Elliott 1Mark A Oyama 2

Sodium-glucose co-transporter 2 inhibitors: Prospects for canine myxomatous mitral valve disease and finding the „right drug“ and the „right dose“ for dogs. Mutsuki Umezawa 1Yoko Fujii 1Kensuke Orito 2Ryo Yoshimoto 3