Undichte Herzklappen sind die häufigsten Herzprobleme bei älteren Hunden, insbesondere bei kleinen Hunderassen.

Bei Menschen werden undichte Herzklappen oft durch künstliche oder tierische Klappen operativ ersetzt. Beim Hund wird die langsam fortschreitende Erkrankung jedoch fast ausschließlich medikamentös behandelt, obwohl ein Herzklappenersatz oder eine Herzklappenreparatur theoretisch möglich ist und in Einzelfällen auch durchgeführt wird.


Undichte Herzklappen – was steckt dahinter?

Die Erkrankung wird als Mitralklappenendokardiose bezeichnet. Dabei handelt es sich um eine degenerative Veränderung der Mitralklappe, die die Verbindung zwischen linker Vorkammer und Hauptkammer des Herzens bildet.

  • Eine genetische Veranlagung wird stark als Ursache vermutet.

  • Die Probleme treten meist erst im höheren Alter auf und verschlechtern sich langsam, aber stetig.

  • Typische Symptome wie Husten und später Atemnot aufgrund von Wasser in der Lunge entwickeln sich häufig erst im fortgeschrittenen Stadium.

Trotz medikamentöser Behandlung kann die Erkrankung die Lebenserwartung des Hundes deutlich verkürzen.

Mehr über die Krankheit gibt es in einem separaten Artikel. Sehr ausführlich werden die Erkrankung und alle relevanten Aspekte auch in meinem Buch über Mitralklappenendokardiose beim Hund beschrieben.


Kann man die Herzklappen beim Hund ersetzen oder reparieren?

In der Humanmedizin ist der operative Herzklappenersatz längst Routine. Auch in der Tiermedizin ist ein solcher Eingriff machbar.

Wenn die Operation erfolgreich ist, kann sich dadurch die Lebensqualität und Überlebenszeit deutlich verbessern.

Allerdings gibt es einige Hürden, die einen routinemäßigen Herzklappenersatz beim Hund derzeit verhindern:

  • Die Operation erfordert extreme Erfahrung und Können des Chirurgen und des gesamten OP-Teams.

  • Das Komplikationsrisiko während und nach der Operation ist sehr hoch.

  • Die technischen Anforderungen sind enorm. Unter anderem wird eine Herz-Lungen-Maschine benötigt, die in kaum einer Tierklinik verfügbar ist.

  • Die Kosten variieren stark zwischen Kliniken, können jedoch mehrere Zehntausend Euro betragen.


Neuere Techniken geben Hoffnung

In den letzten Jahren etablieren sich neue minimalinvasive Techniken, die vielversprechend sind.

Ein besonders großer Trend ist das TEER-Verfahren (Transcatheter Edge-to-Edge Repair):

  • Über einen Katheter wird ein Clip oder eine Klemme eingesetzt, die die Klappenundichtigkeit reduziert.

  • Der Eingriff erfolgt ohne Herz-Lungen-Maschine, wodurch das Risiko von Komplikationen nach der OP deutlich reduziert wird.

Diese Methode eröffnet die Möglichkeit, Herzklappenprobleme auch bei Hunden durchzuführen, die für eine klassische Operation zu alt oder zu geschwächt wären.


Wer führt die Operation durch?

Weltweit gibt es derzeit nur eine Handvoll Tierärzte, die diese Operation erfolgreich durchführen.

Allerdings entwickelt sich das Feld weiter, und neue Zentren bieten zunehmend Herzklappenoperationen beim Hund an.

Im deutschsprachigen Raum gibt es bereits Optionen in:


Zukunftsaussichten

Es bleibt zu hoffen, dass ein Herzklappenersatz beim Hund in Zukunft zur Routine gehört.

Derzeit sind limitiert verfügbare Zentren und hohe Kosten die größten Hürden für eine breite Anwendung.