Wenn eine Diagnose einer unheilbaren Krankheit wie z.B. eine Herzinsuffizienz oder ein vergrößertes Herz beim Hund gestellt wird, wollen die Besitzer natürlich wissen, wie die Lebenserwartung mit dieser Erkrankung ist. Beim Hund mit Herzproblemen gibt es auch einige Studien zur Lebenserwartung, über die ich im folgenden einen kleinen Überblick geben will. Trotzdem muss an dieser Stelle betont werden, dass jeder Hund einen individuellen Verlauf hat und die Prognose von vielen Faktoren abhängt.

Lebenserwartung beim Hund mit vergrößertem Herz aufgrund undichter Herzklappen

Eine undichte Herzklappe (man nennt die Krankheit Mitralklappendokardiose) ist das häufigste Herzproblem beim Hund und betrifft ca. 75 % der gesamten Hundepopulation mehr oder weniger schlimm. Vor allem kleine Hunderassen sind davon betroffen. Zum Glück entwickeln nicht alle Tiere jemals Symptome. Es handelt sich dabei um eine fortschreitende Erkrankung, die nicht geheilt werden kann. Mittels Medikamente wird jedoch versucht, den Verlauf zu verlangsamen und die Symptome so in den Griff zu bekommen, dass das Tier über lange Zeit eine gute Lebensqualität besitzt. Mehr zur Erkrankung und den Therapiemöglichkeiten gibts in separaten Artikeln und in meinem Buch.

Wie lange kann ein Hund mit dieser Erkrankung überleben?

Man muss bei der Überlebenszeit unterscheiden, ob der Patient schon im Herzversagen ist, also Wasser auf der Lunge hat oder hatte, oder ob er sich noch in einem früheren Stadium der Erkrankung befindet. Ab dem Zeitpunkt des Herzversagens ist die durchschnittliche Überlebenszeit laut Studien bei ca. 260 Tagen, wenn Pimobendan, Furosemid (+/- ACE-Hemmer, Spironolacton) zur Therapie eingesetzt wurden. Dabei ist zu bedenken, dass dies die mittlere Überlebenszeit ist und es dabei Hunde gab, die nur wenige Tage und welche die mehr als 2 Jahre gelebt haben.

Durchschnittlich kann man ab dem Zeitpunkt des Herzversagens von einer Überlebenszeit von einem dreiviertel Jahr bis Jahr ausgehen.

Befindet sich das Tier noch nicht im Herzversagen, so kann es Jahre dauern, bis sich die ersten Symptome der Krankheit zeigen. Es hängt also vor allem davon ab, wann die Krankheit diagnostiziert wird. Am besten kann man Aussagen treffen, nachdem mehrmals eine Ultraschallkontrolle stattgefunden hat und somit die Veränderungen über einen gewissen Zeitraum verglichen werden können. Eine sehr große Studie dazu hat den Effekt von Pimobendan (Vetmedin) auf die Überlebenszeit oder die Zeit bis zum Auftreten von Symptomen untersucht. Dabei wurde Pimobendan eingesetzt, sobald sich die Herzkammern vergrößert haben und dies mit einer Placebo-Gruppe verglichen. Die Ergebnisse waren erstaunlich. Mit Pimobendan ist die Zeit bis zum Herzversagen oder bis zum Herztod mit fast 3,2 Jahren um ca. 15 Monate länger als ohne Pimobendan. Dies zeigt auch wie wichtig es ist, die Krankheit früh zu diagnostizieren um den richtigen Zeitpunkt für den Einsatz von Pimobendan nicht zu verpassen. Wird die Erkrankung erst später festgestellt, z.B. wenn der Hund Husten entwickelt, so verkürzt sich die Zeit bis zum Herzversagen vermutlich deutlich, da die Krankheit ja schon seit einiger Zeit unbemerkt bestand und somit ein Großteil der 3,2 Jahre bereits vorbei sind bzw. da nicht mit Pimobenan therapiert wurde, auch von einer kürzeren präklinischen Zeit (ca. 2 Jahre) ausgegangen werden muss.

Die durchschnittliche Zeit bis zum Herzversagen ab dem Zeitpunkt der Herzvergrößerung, liegt mit Pimobedan-Therapie bei ca. 3, 2 Jahren ohne Pimobendan bei ca. 2 Jahren. 

 

In meinem praktischen Handbuch gibt es alle Informationen zu

undichten Herzklappen auf einen Blick:

Narkose beim Tier mit Herzerkrankung

 

Lebenserwartung beim Hund mit vergrößertem Herz aufgrund einer DCM

Größere Hunderassen erkranken häufiger an einer Herzmuskelschwäche (Dilatative Kardiomyopathie) als an Klappenundichtigkeiten. Dabei nimmt die Pumpkraft des Herzmuskels immer mehr ab. Auch bei dieser Erkrankung bildet sich ab einem bestimmten Zeitpunkt Wasser in der Lunge. Zusätzlich kann es zu Herzrhythmusstörungen kommen. Die wichtigste Therapie im asymptomatischen Stadium einer DCM ist Pimobendan (Vetmedin). In einer vor kurzem veröffentlichten Studie wurde die durchschnittliche Lebenserwartung von Dobermännern, welche zum Zeitpunkt der Diagnose noch keine Symptome hatten, mit und ohne Pimobendan ermittelt. Dabei lebten Hunde mit Pimobendan deutlich länger (623 Tage) als Hunde die kein Pimobendan bekamen (466 Tage). Ein wichtiger Grund, die Krankheit so früh wie möglich zu diagnostizieren. In einer anderen Studie mit Irischen Wolfshunden lag die Zeit zwischen Diagnose und Herzversagen oder Sekundentod bei 65 Monaten, wenn sie Pimobendan bekamen, mit anderen Medikamenten dagegen fast nur halb so lange. Erfahrungsgemäß kann man sagen, dass es bei Hunden mit einer asymptomatischen DCM zwischen 2 und 4 Jahre dauern kann bis sich Symptome entwickeln, wenn sie früh erkannt wird. Allerdings besteht immer die Gefahr, dass das Tier am Sekundentod stirbt. Ab dem Zeitpunkt des Herzversagens sind die Überlebenszeiten meist nicht länger als 6-12 Monate.

Hunde mit DCM können für ca. 2-4 Jahre asymptomatisch bleiben. Im Herzversagen leben sie häufig noch zwischen 6 und 12 Monate.

 

Welche Faktoren beeinflussen die Lebenserwartung?

  • Zusatzerkrankungen: Besteht zusätzlich eine weitere Erkrankung wie z.B. eine Niereninsuffizienz, so schränkt dies die Therapie des Herzens häufig ein und kann die Prognose deutlich verschlechtern.
  • Rasse: Manche Rassen haben häufig einen schnelleren Verlauf einer Herzerkrankung. Dazu zählt z.B. der Kavalier King Charles mit der Mitralendokardiose.
  • Tabletteneingabe: Nicht jedes Tier ist davon begeister jeden Tag eine Handvoll Tabletten zu fressen, bei manchen Patienten geht es sogar so schlecht, dass man nur die nötigsten Medikamente rein bekommt oder zu Spritzen greifen muss.
  • Gewichtsverlust: Gerade im späten Stadium kämpfen Herzpatienten oft mit dem Verlust von Muskelmasse, was mit einer schlechten Prognose verbunden ist.
  • Ohnmachtsanfälle und Sekundentod: Kommt es zu Ohnmachtsanfällen, so ist die Prognose ebenfalls vorsichtiger zu stellen. Gerade Hunde mit einer DCM können auch ganz unerwartet am Sekundentod sterben.
  • Besitzerverhalten und Reaktion bei Veränderungen: Je schneller Besitzer merken, wenn sich der Zustand verschlechtert, desto schneller kann man auch entsprechend reagieren und desto besser die Chance den Hund wieder zu stabilisieren. Wichtig dabei ist vor allem die Atemfrequenzkontrolle.

Quellen:

Effect of pimobendan or benazepril hydrochloride on survival times in dogs with congestive heart failure caused by naturally occurring myxomatous mitral valve disease: the QUEST study. 2008 Sep-Oct;22(5):1124-35. doi: 10.1111/j.1939-1676.2008.0150.x. Epub 2008 Jul 11.

Clinical efficacy of pimobendan versus benazepril for the treatment of acquired atrioventricular valvular disease in dogs. 2006 Jul-Aug;42(4):249-61.

Effect of Pimobendan in Dogs with Preclinical Myxomatous Mitral Valve Disease and Cardiomegaly: The EPIC Study-A Randomized Clinical Trial. 2016 Nov;30(6):1765-1779. doi: 10.1111/jvim.14586. Epub 2016 Sep 28.

Efficacy of pimobendan in the prevention of congestive heart failure or sudden death in Doberman Pinschers with preclinical dilated cardiomyopathy (the PROTECT Study). 2012 Nov-Dec;26(6):1337-49. doi: 10.1111/j.1939-1676.2012.01026.x. Epub 2012 Oct 18.