Die Überweisung zum Kardiologen oder die Tatsache, dass der eigene Hund ein Herzproblem haben könnte ist für viele Besitzer sehr besorgniserregend. Häufig dauert es auch ein paar Tage bis der Termin beim Kardiologen stattfindet und man macht sich in dieser Zeit viele Gedanken und auch Sorgen. Aber nicht immer bedeutet ein Herzgeräusch gleich das schlimmste und nicht selten haben Tiere die beim Kardiologen vorgestellt werden ein vollkommen gesundes Herz.

 

Wann ist ein Untersuchung beim Kardiologen sinnvoll?

Man muss ein bisschen unterscheiden um welches Tier es sich handelt.

  1. Welpen: Wird beim Welpen der Verdacht auf ein angeborenes Herzproblem geäußert, wurde meist ein Herzgeräusch festgestellt und eine zeitnahe Abklärung mittels Herzultraschall ist unerlässlich. Auch Symptome wie blaue Schleimhäute, Ohnmachtsanfälle, Leistungsschwäche können auf ein Herzproblem hindeutet, aber in den meisten Fällen werden diese Symptome von einem lauten Herzgeräusch begleitet, welches jedem Tierarzt bei den ersten Untersuchungen auffallen sollte.
  2. Kleine Hunderassen: Handelt es sich um ein älteres Tier einer kleinen Hunderasse (bis ca. 15kg oder 20kg) ist die weitaus häufigste Herzerkrankung eine undichte Herzklappe (Mitralklappenendokardiose). Im Alter von 13 Jahren sind fast 75 % aller Hunde mehr oder weniger schlimm von diesem Problem betroffen, jedoch entwickeln längst nicht alle Tiere auch Symptome. Auch diese Erkrankung geht immer mit einem Herzgeräusch einher. Wird also bei einem kleinen Hund ein deutliches Herzgeräusch festgestellt, so macht auch hier eine kardiologische Untersuchung Sinn. Nicht selten werden kleine ältere Hund zur Abklärung von Husten oder Atemwegsproblemen erst einmal zum Kardiologen geschickt, ohne dass ein Herzgeräusch vorhanden ist. Diese Tiere haben fast immer andere Ursachen für ihren Husten und andere Test wären bei diesen Patienten zumindest anfangs sinnvoller.
  3. Große Hunderasse: Bei älteren Tieren großer Hunderassen (ab ca. 20 kg) ist die häufigste Herzerkrankung eine Herzmuskelschwäche (DCM). Diese löst nicht immer ein Herzgeräusch aus und kann daher leicht übersehen werden, vor allem da deutliche Symptome wie Atemnot und Husten erst sehr spät im Krankheitsverlauf auftreten, unspezifische Symptome wie z.B. Leistungsschwäche und Müdigkeit aber sehr wohl schon vorher ein Problem sind. Bei genauer Auskultation können eventuell Herzrhythmusstörungen, eine zu schnelle Herzfrequenz oder ein schwacher Puls festgestellt werden, allerdings ist dies nicht immer eindeutig. Bei Tieren mit diesen Symptomen, auffälligem Herz im Röntgenbild oder prädisponierten Rassen wie z.B. der Dobermann, macht ein Herzultraschall durchaus Sinn.

 

Wann mit dem Hund zum Kardiologen

 

Neben den häufigsten Herzerkrankungen gibt es natürlich eine Reihe von Herzprobleme, die zwar nicht so häufig auftreten, aber durchaus ernst zu nehmen sind und ebenfalls dringend einer kardiologischer Abklärung und Therapie bedürfen. Dazu zählen z.B. der Herzbeutelerguss, schwere Rhythmusstörungen die evtl. sogar mit Ohnmachtsanfällen (Synkopen) einhergehen und Infektionen mit Bakterien (Endokarditis) oder Herzwürmern. Die Symptome sind dabei äußerst unterschiedlich und unspezifisch: Atemnot, Leistungsschwäche, Husten, Lethargie, Fieber, Müdigkeit und Ohnmachtsanfälle.

 

Was erwartet mich und meinen Hund beim Kardiologen?

Ein Besuch in der Kardiologie ist in keinem Fall etwas wovor man sich fürchten muss. In den meisten Fällen kann man als Besitzer dabei sein (hängt vom Kardiologen ab) und die Untersuchungen sind schmerzfrei. In der Regel wird ein Herzultraschall durchgeführt, wobei der Hund auf einem speziellen Tisch auf der Seite liegen muss. Manche Kardiologen führen die Untersuchung auch im Stehen oder Sitzen durch. Je nach Ultraschallgerät und Haarpracht wird eine kleine Stelle hinter dem Ellenbogen auf beiden Brustseiten ausrasiert. Bei sehr hochwertigen Geräten ist dies gar nicht mehr nötig. Der Ultraschall an sich ist harmlos, lediglich das Stillliegen ist für manche Hunde etwas problematisch, aber die meisten Tiere entspannen sich rasch. Eine Narkose ist in jedem Fall zu vermeiden, da dadurch die Dynamik von Herz und Kreislauf verändert wird und die Untersuchungen weniger aussagekräftig werden.

Ist ein EKG nötig, so ist dies ebenfalls nicht dramatisch. Es werden lediglich ein paar Klemmen am Tier angebracht und es muss eine Weile still liegen. Das Gleiche gilt für Blutdruckmessungen. Sind Rhythmusstörungen ein Problem, so kann ein 24 Stunden EKG sinnvoll sein. Dafür werden Elektroden seitlich am Brustkorb aufgeklebt und fixiert. Das Gerät kommt in einen kleinen Rucksack und der Hund kann damit wieder nach Hause. Nach 24 Stunden wir alles wieder abgewickelt und zur Auswertung zurückgebracht oder -geschickt.


Narkose beim Tier mit Herzerkrankung


Welche Therapiemöglichkeiten gibt es für Herzprobleme beim Hund?

Welche Therapie möglich oder nötig ist hängt natürlich von der Erkrankung ab. Bei jungen Hunden mit angeborenen Herzfehlern gibt es eine Reihe an Operationsmöglichkeiten. Bei älteren Tieren werden Operationen hauptsächlich bei Herzschrittmachern durchgeführt. Der Herzklappenersatz wird zwar weltweit in wenigen Kliniken angeboten, ist aber noch weit entfernt davon zur Routine zu werden. Bei Herzbeutelergüssen ist es meist nötig diesen zu punktieren und so die Flüssigkeit zu entfernen. Die restlichen Krankheiten werden meist ausschließlich mit Medikamenten behandelt. Dabei hängt die Therapie vom Krankheitsstadium ab und muss auch regelmäßig angepasst werden. In frühen Krankheitsstadien bedarf es eventuell noch gar keiner Therapie. Wie genau die Therapieempfehlung bei welchem Herzproblem aussieht lest ihr bei den einzelnen Erkrankungen nach. Hier gehts zur Übersichtsseite.

 


Quellen:

ACVIM consensus guidelines for the diagnosis and treatment of myxomatous mitral valve disease in dogs

https://www.onlinelibrary.wiley.com/journal/19391676

https://www.journals.elsevier.com/journal-of-veterinary-cardiology/