Katzen sind erstaunliche Tiere, die Krankheiten oft sehr lange verbergen können. Besonders Herzerkrankungen bei Katzen werden häufig erst spät erkannt und bleiben teilweise jahrelang unentdeckt. Deshalb sind regelmäßige Routineuntersuchungen beim Tierarzt entscheidend, um auch subtile Hinweise wie ein Herzgeräusch frühzeitig zu erkennen. Leider fehlen diese Anzeichen manchmal vollständig oder werden leicht übersehen.


Eindeutige Anzeichen für Herzerkrankungen bei Katzen

Häufige Symptome, die auch Katzenbesitzern sofort auffallen, sind:

  • Akute Atemnot – entsteht, wenn sich Lunge oder Brustkorb mit Flüssigkeit füllen, wodurch die Atmung erschwert wird.
  • Aortenthrombose – führt zur plötzlichen, schmerzhaften Lähmung der Hinterbeine.

Beide Situationen sind Notfälle. In diesen Fällen sollte sofort ein Tierarzt aufgesucht werden. Falls ein Kardiologe in der Nähe ist, kann dieser mittels Herzultraschall die Diagnose rasch bestätigen oder ausschließen. Fehlt ein Kardiologe vor Ort, sollte zunächst eine Notfallbehandlung erfolgen, unterstützt durch Bluttests oder Röntgenaufnahmen. Eine umfassende kardiologische Untersuchung sollte nach Stabilisierung der Katze nachgeholt werden.

In seltenen Fällen treten Synkopen (kurze Ohnmachtsanfälle) auf, meist verursacht durch Herzrhythmusstörungen. Diese sind zwar sichtbar, lassen sich jedoch schwer von epileptischen Anfällen unterscheiden. Unklare Ursachen erfordern ebenfalls eine kardiologische Abklärung.

Unspezifische Symptome wie Appetitlosigkeit, Müdigkeit, Schwäche oder Lethargie können ebenfalls auf eine Herzerkrankung hinweisen, treten aber auch bei vielen anderen Erkrankungen auf.


Weniger eindeutige Anzeichen für Herzerkrankungen bei Katzen

Weitere Gründe für eine kardiologische Untersuchung ergeben sich häufig aus der tierärztlichen Untersuchung:

  • Herzgeräusche
  • Abnormale Herzfrequenzen: zu schnell, zu langsam oder unregelmäßig
  • Galopprhythmus, sehr leise Herztöne, schwacher Puls
  • Blaue Schleimhäute
  • Auffälligkeiten in Röntgenbildern der Lunge
  • Erhöhte kardiale Biomarker im Blut, z. B. NT-proBNP

Die Bestimmung von Biomarkern kann helfen, kardiale Ursachen für bestimmte Symptome auszuschließen, bevor ein Kardiologe hinzugezogen wird. Tierärzte neigen manchmal dazu, Katzen direkt zum Kardiologen zu überweisen, ohne andere Ursachen wie langanhaltende Atemprobleme, Husten oder Schwäche auszuschließen. Eine sinnvolle Reihenfolge der Untersuchungen spart Stress für die Katze und unnötige Kosten.

Wann mit der Katze zum Kardiologen

Weitere Gründe für einen Besuch beim Kardiologen

Bestimmte Begleiterkrankungen können das Herz zusätzlich belasten:

  • Bluthochdruck
  • Schilddrüsenüberfunktion
  • Nierenerkrankungen

Auch bei diesen Katzen lohnt es sich, das Herz gezielt zu untersuchen, da eine kardiologische Anpassung der Therapie erforderlich sein kann.

Zudem gibt es Rassen mit genetischer Prädisposition für Herzerkrankungen. Besonders häufig betroffen sind:

  • Main Coon
  • British Kurzhaar
  • Perser
  • Ragdoll
  • Bengal
  • Sphynx
  • Norwegische Waldkatze
  • Birma

Aber auch Hauskatzen (Europäisch Kurz- oder Langhaar) können betroffen sein. Bei Zuchttieren sind regelmäßige kardiologische Untersuchungen teilweise sogar vorgeschrieben.



Untersuchungen beim Kardiologen

Kardiologen können mittels Ultraschall Herzerkrankungen in den meisten Fällen rasch, schmerzfrei und ohne Narkose diagnostizieren.

Weitere mögliche Untersuchungen:

  • EKG zur Erfassung von Herzrhythmusstörungen
  • Blutdruckmessung
  • Röntgenaufnahmen des Brustkorbs

Die therapeutische Behandlung erfolgt bei Katzen meist medikamentös. Ausnahmefälle sind junge Tiere mit angeborenen Herzfehlern, bei denen eine Operation sinnvoll sein kann. Die korrekte Einstellung der Medikamente erfordert Erfahrung und regelmäßige Kontrolle.


Quellen:

Virginia Luis Fuentes, Jonathan Abbott, Valérie Chetboul, Etienne Côté, Philip R. Fox, Jens Häggström, Mark D. Kittleson, Karsten Schober, Joshua A. Stern
J Vet Intern Med. 2020 May; 34(3): 1062–1077. Published online 2020 Apr 3.