Wasser in der Lunge – man hört es immer wieder – aber was bedeutet es eigentlich genau und was steckt dahinter?

Flüssigkeit in der Lunge ist lebensgefährlich und kann unbehandelt zum Erstickungstod führen. Man muss dabei zwischen Flüssigkeitsansammlung in der Lunge (Lungenödem) und im Brustkorb (Thoraxerguss) unterscheiden. Beides führt zu Atemnot, aber Ursache und Behandlung sind meist unterschiedlich. Ich möchte hier vor allem auf das Problem „Wasser in der Lunge“ eingehen und werde nur kurz im letzten Absatz über den Thoraxerguss schreiben.

 

Wasser in der Lunge – Lungenödem

Ursachen

Symptome

Diagnose

Herzversagen

Behandlung

Prognose

 

Mögliche Ursachen:

  • Herzversagen
  • Gifte (z.B. Rauchgas)
  • Medikamente
  • Eiweißmangel
  • Infektionen
  • „Einatmen“ von Flüssigkeit (z.B. in Narkose, unter Wasser)
  • Sauerstoffmangel (Höhenkrankheit)

Herzversagen ist die häufigste Ursache für ein Lungenödem. Anderen Ursachen sind seltener, kommen meist spät im Verlauf anderer Erkrankungen vor und haben oft ein anderes Krankheitsbild oder noch weitere Symptome.

Katze mit Maulatmung - ein möglicher Hinweis auf Wasser in der Lunge

Symptome bei Wasser in der Lunge:

Durch die Wasseransammlung wird das Volumen der Lungen, welches zum Sauerstoffaustausch bereitsteht, kleiner und die Atmung wird deshalb schneller. Dies steigert sich bis zur hochgradigen Atemnot. Man erkennt dies anfangs durch eine erhöhte Ruheatemfrequenz (>40 Atemzüge/Minute in Ruhe), vermehrte Atmung mit dem Bauch und Hecheln. Hunde Husten vermehrt, Katzen husten nur selten. Durch den Sauerstoffmangel und die Atemnot stellt sich Unruhe ein. Wenn die Sauerstoffversorgung nicht mehr ausreichend ist, werden Schleimhäute bläulich (man sieht es zum Beispiel, wenn man die Lefzen hochnimmt und sich das Zahnfleisch anschaut).

Bei Katzen stellt sich dieser schlimme Zustand oft sehr rasch ein, da sie Meister darin sind Krankheiten zu verbergen. Hunde zeigen eher schon vorher Anzeichen wie Husten, weniger Appetit und Schlappheit.

 

Diagnose eines Lungenödems

Patienten mit Flüssigkeit in der Lunge kommen meist mit Atemnot in die Praxis. Dies bedeutet, das Tier sollte so wenig wie möglich gestresst werden und es ist Eile geboten die richtige Therapie zu starten. Um ein Lungenödem zu diagnostizieren wird ein Röntgenbild gemacht. Dies muss so schnell und stressfrei wie möglich erfolgen. In manchen Situationen ist sogar ein Röntgenbild zu viel Stress und eine Entwässerung und Sauerstoff-Therapie müssen erst einmal ohne eindeutige Diagnose gestartet werden um den Patienten zu stabilisieren. Es sollte aber sobald als möglich nachgeholt werden. 
Herzprobleme sind die häufigsten Ursachen für ein Lungenödem, andere mögliche Ursachen sind viel seltener, weshalb ich im Folgenden nur auf das Herzproblem eingehen werde. Ein Herzultraschall gibt Aufschluss darüber ob und welches Herzproblem vorhanden ist. Allerdings kann man mittels Ultraschalles nicht die Lunge beurteilen. Ein Herzultraschall sollte folgen, sobald das Tier stabilisiert ist.

 

Was passiert beim Herzversagen

Herzversagen bedeutet eine Herzerkrankung ist soweit vorgeschritten, dass das Herz oder der Körper es nicht mehr schaffen durch verschiedene Kompensationsmechanismen das gesamte Blutvolumen durch den Körper zu pumpen. Eine Herzerkrankung ist in der Regel schon lange vorhanden und oft auch bekannt, ohne dass sie Symptome auslöst.

Was passiert also genau: Egal welche Herzerkrankung zu Grunde liegt, ab einem gewissen Fortschritt kann das Blut welches aus der Lunge mit Sauerstoff beladen wird, nicht mehr in ausreichender Menge in den Körper weitertransportiert werden. Es staut sich also zurück in die Lungengefäße. Die Lungengefäße können den Druck auf Dauer nicht aushalten und schließlich kommt es dazu, dass Flüssigkeit aus den Gefäßen austritt und sich in der Lunge sammelt. Ohne Behandlung wird der Patient an diesem „Wasser“ ersticken.

So entsteht Wasser in der Lunge - graphisch dargestellt
1.Bild: Blut fließt von der Lunge ins Herz und wird dort weiter in den Körper gepumpt.
2. Bild: Das Herz kann nicht mehr genügend Blut weiterpumpen und es bildest sich ein Stau bis zurück in die Lungengefäße.
3. Bild: Der Druck in den Lungengefäßen ist zu groß und Flüssigkeit tritt aus den Gefäßen ins Lungengewebe

 

Behandlung bei Wasser in der Lunge

Das oberste Behandlungsziel ist, die Flüssigkeit aus der Lunge so schnell wie möglich zu entfernen, um dem Tier das Atmen zu erleichtern und es vor dem Ersticken zu bewahren. Man kann die Flüssigkeit nicht einfach absaugen, da diese sich im Gewebe oder den sehr kleinen Lungenbläschen befinden. Daher wird die Flüssigkeit mittels Entwässerungsmedikamenten reduziert (Furosemid, Torasemid). Es wird also versucht den Körper auszutrocknen, damit das Wasser wieder in die Gefäße aufgenommen werden kann. Entwässerungsmedikamente sind sehr effektiv, müssen aber anfangs oft in sehr hohen Dosen gegeben werden, damit die akute Phase überstanden werden kann. Erwischt man das Lungenödem im Anfangsstadium, muss man weniger aggressiv therapieren. Sobald der Patient stabil genug ist, wird man versuchen mit der Entwässerung etwas runterzugehen und die niedrigste mögliche Dosis zu finden. Dies muss aber über Tage erfolgen. Je nach Grunderkrankung werden zusätzlich noch weitere Medikamente nötig sein.

Wer mehr über Herztherapie lesen will: 

Herzmedikamente bei der Katze

Herzmedikamente beim Hund

Muss der Patient stationär bleiben

Es kommt darauf an in welchem Zustand das Tier sich befindet ob eine stationäre Behandlung sinnvoll ist oder nicht. Bei sehr schwerer Atemnot sollte die Entwässerung direkt in die Vene gegeben werden (stündlich oder sogar im Dauertropf) und Sauerstoff zugeführt werden – ein stationärer Aufenthalt vor allem die kritischen ersten 24 Stunden ist also sinnvoll und verspricht größeren Erfolg als die ambulante Therapie.

Wie geht es weiter

Hat der Patient die erste Phase überstanden, versucht man die Medikamente so einzustellen, dass eine gute Lebensqualität für das Tier besteht. Dabei kann man auf eine konstante Entwässerung in der Regel leider nicht mehr verzichten. Das Ziel ist eine Balance zwischen neuem Wasser in der Lunge und Entwässerung durch Medikamente zu finden. Dabei muss vor allem der Besitzer erkennen, wenn die Entwässerung nicht mehr ausreicht und die Dosis erhöht werden muss oder vielleicht noch ein weiteres Medikament dazu gegeben werden muss. Dafür sollte zu Hause regelmäßig die Ruheatemfrequenz gezählt werden.

Ruheatemfrequenz zählen:

Wenn das Tier schläft oder ruhig liegt zählt man wie oft in der Minute sich der Brustkorb hebt und wieder senkt. Der Wert sollte bei Hund und Katze unter 40 Atemzüge pro Minute sein. Das erste Zeichen für Wasser in der Lunge ist eine ansteigende Atemfrequenz. Macht man dies regelmäßig, bekommt man ein gutes Gefühl dafür, was bei seinem Tier „normal“ ist und merkt somit schneller, wenn etwas nicht stimmt und kann entsprechend reagieren. Je schneller man reagiert, desto höher die Chance auf eine erfolgreiche Therapie.

 

 

Prognose:

Die meisten – leider nicht alle – Tiere mit akuter Atemnot aufgrund von Herzversagen kann man mit entsprechender Therapie wieder stabilisieren. Wichtig sind die ersten 12 bis 48 Studen. Dabei gilt aber auch, je früher therapiert wird, desto besser die Chancen. Ein Kardiologe hat dabei sicher eine höhere Erfolgsquote als ein Tierarzt, der sich nicht gut mit Kardiologie auskennt. Leider gibt es auch Tiere, die man nicht mehr stabilisieren kann und bei denen nach einer gewissen Zeit ohne Besserung eine Euthanasie angebracht ist.


Ist die initiale Phase überstanden, geht es darum das Tier gut einzustellen und immer dann, wenn nötig die Therapie anzupassen. Für die häufigsten Herzerkrankungen gilt eine durchschnittliche Überlebenszeit von ca. einem Jahr nachdem das erste Mal Wasser auf der Lunge festgestellt wurde. Diese Zeit kann deutlich kürzer aber auch deutlich länger sein. Wichtig ist dabei zu wissen, dass die Lebensqualität während dieser Zeit meist sehr gut ist und es daher auf jeden Fall zu empfehlen ist einen Therapieversuch zu starten.

 

Flüssigkeitsansammlungen im Brustkorb

Mögliche Ursachen:

  • Herzproblem (Rechtsherzversagen, Herzbeutelerguss, Herzwürmer, bei Katzen auch Linksherzversagen)
  • Tumor
  • Leberproblem
  • Infektion (z.B. FIP, Leishmaniose)
  • Blutung (z.B. nach einem Unfall)
  • Proteinmangel
 

Therapie:

Die Therapie richtet sich nach der Ursache. In vielen Fällen macht es Sinn die Flüssigkeit zu abzusaugen um dem Patienten eine erste Erleichterung beim Atmen zu schaffen. Dies ist jedoch keine Lösung der Grundursache, sondern gewährt lediglich Zeit um weitere Therapien zu starten oder Entscheidungen zu treffen.

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