Die hypertrophe Kardiomyopathie (HCM) ist die häufigste Herzerkrankung bei der Katze. Es handelt sich um eine meist genetisch bedingte Verdickung des Herzmuskels, die in der Regel langsam fortschreitet.

Nicht alle Katzen entwickeln Symptome. Bei schweren Verläufen kommt es jedoch im weiteren Verlauf zu Flüssigkeitsansammlungen in der Lunge (Lungenödem) und/oder im Brustkorb (Thoraxerguss), was zu schwerer Atemnot führen kann.

Bei einigen Katzen entsteht außerdem eine Aortenthrombose (plötzliche, schmerzhafte Lähmung der Hinterbeine) als Folge einer vergrößerten linken Herzvorkammer.


Behandlungsempfehlungen der Experten

nternationale Experten der Tierkardiologie des American College of Veterinary Internal Medicine (ACVIM) haben 2020 Leitlinien zur Behandlung der HCM bei der Katze veröffentlicht.

Diese Guidelines helfen Tierärzten:

  • die Therapie je nach Krankheitsstadium gezielt einzusetzen
  • unnötige Behandlungen zu vermeiden
  • Diagnostik und Zusatzmaßnahmen sinnvoll zu planen

Dabei wird unterschieden zwischen:

  • wissenschaftlich gut belegten Empfehlungen
  • begrenzter Studienlage
  • reiner Expertenmeinung

💡 Update 2025:

  • ACE-Hemmer werden mittlerweile kritischer bewertet, da Studien keinen klaren Nutzen zeigen
  • Pimobendan wird selektiv häufiger eingesetzt bei Katzen mit niedrigem Herzzeitvolumen ohne LVOT-Obstruktion
  • Risikostratifizierung (Vorhofgröße, „Spontankontrast“, NT-proBNP, genetische Risikofaktoren) gewinnt an Bedeutung

 

HCM Katze Behandlung

Grafik als PDF: HCM bei der Katze Behandlungs-Richtlinien

 

Verschiedene Krankheitsstadien einer HCM

Die Einteilung in Stadien hat sich in den letzten Jahren etabliert und wird auch in den HCM-Guidelines verwendet.

Stadium A

Katzen mit genetischer Veranlagung, jedoch ohne nachweisbare Herzveränderung

Stadium B1

  • Verdickter Herzmuskel (diagnostizierte HCM)
  • ggf. dynamische Ausflusstraktobstruktion (DLVOTO/SAM)
  • linker Vorhof normal groß
  • keine Symptome

Stadium B2

  • HCM mit vergrößertem linken Vorhof
  • weiterhin keine klinischen Symptome

Stadium C

  • akutes oder früheres Lungenödem bzw. Thoraxerguss
  • akute Atemnot oder stabil unter Therapie

Stadium D

  • Symptome trotz Therapie nicht kontrollierbar
  • wiederkehrende Flüssigkeitsansammlungen und Atemnot

Wie behandelt man eine HCM bei der Katze – das sagen die Guidelines

Stadium A

  • keine medikamentöse Therapie
  • regelmäßige Kontrollen (z. B. jährlich)

Stadium B1

  • keine Behandlung notwendig

Ausnahme:

  • hochgradige DLVOTO (SAM)
    → Beta-Blocker (z. B. Atenolol)

Zusätzlich empfohlen:

  • Kontrolle von Schilddrüse und Blutdruck (v. a. bei älteren Katzen)

Stadium B2

  • Thromboseprophylaxe (Clopidogrel)
  • Atenolol nur bei ausgeprägter DLVOTO

👉 Wichtig:

  • regelmäßige Kontrolle der Ruheatemfrequenz zu Hause
  • Biomarker wie NT-proBNP können Risikoabschätzung verbessern

Stadium C

  • Diuretika (z. B. Furosemid) zur Entwässerung
  • Thromboseprophylaxe (Clopidogrel)

Weitere Optionen:

  • ACE-Hemmer: kritisch hinterfragt, nur noch selektiv eingesetzt
  • Pimobendan:
    • nur ohne DLVOTO
    • bei eingeschränktem Herzzeitvolumen

👉 Kontrolle:

  • Nierenwerte und Elektrolyte 3–7 Tage nach Therapiebeginn

Stadium D

  • intensivere Entwässerung:
    • ggf. Wechsel auf Torasemid
    • zusätzlich Spironolacton
  • Thromboseprophylaxe fortführen
  • Pimobendan wie in Stadium C

👉 Wichtig:

  • Elektrolyte kontrollieren (insbesondere Kalium)
  • ggf. Substitution bei Mangel
  • angepasste Ernährung:
    • salzarm
    • proteinreich (gegen Muskelabbau)

 


Artikel über die Herzmedikamente bei der Katze


➕ Zusatztherapien

Weitere Medikamente kommen bei behandlungsbedürftigen Herzrhythmusstörungen zum Einsatz.

In akuten Phasen können zusätzliche Maßnahmen notwendig sein, wie:

  • Sauerstofftherapie
  • stationäre Überwachung

Diese werden in der Regel nicht dauerhaft benötigt.

 


 

Fazit: HCM bei der Katze richtig behandeln

Die Behandlung der HCM richtet sich konsequent nach dem Krankheitsstadium.

Praxis-Update 2025:

  • ACE-Hemmer weniger routinemäßig
  • Pimobendan selektiv häufiger
  • Risikostratifizierung und Biomarker zunehmend relevant

Wichtige Punkte:

  • frühe Stadien oft ohne Therapie
  • ab Stadium B2: Thromboseprophylaxe entscheidend
  • ab Stadium C: medikamentöse Herzinsuffizienztherapie notwendig

Die ACVIM-Guidelines sind weiterhin der Goldstandard in der Behandlung der HCM bei Katzen.

 


Quellen:
Virginia Luis Fuentes, Jonathan Abbott, Valérie Chetboul, Etienne Côté, Philip R. Fox, Jens Häggström, Mark D. Kittleson, Karsten Schober, Joshua A. Stern
J Vet Intern Med. 2020 May; 34(3): 1062–1077. Published online 2020 Apr 3